Erstellt am 29. Februar 2016

GEKOMMEN UND GEBLIEBEN. 50 Jahre Arbeitsmigration
Eine Ausstellung im Museum Arbeitswelt Steyr

Natürlich gibt es Migration in Österreich nicht erst seit 50 Jahren. Beim Zeitunglesen, Radiohören, Fernsehen oder online könnte der Eindruck entstehen, Zu- und Auswanderung seien etwas Einzigartiges, gar Bedrohliches. Historisch gesehen sind beide Phänomene eine „anthropologische Konstante“, so Kurator Michael John, also etwas, das es immer schon gibt, seit Menschen eben existieren.
Und das ist kein Problem, sondern ein Faktum.

Die aktuelle Ausstellung im Museum Arbeitswelt Steyr widmet sich einer sehr prägenden Periode der österreichischen Migrationsgeschichte. Die 1960er-Jahre in Österreich: Wirtschaftsaufschwung, Hochkonjunktur und Arbeitskräftemangel. Das Land handelt und schließt Anwerbeabkommen mit der Türkei und dem damaligen Jugoslawien ab, um die dringend benötigten Arbeitskräfte ins Land zu holen. Österreichische Unternehmen eröffnen Anwerbebüros in Städten wie Istanbul und Ankara. Ins Land geholt werden „Gastarbeiterinnen“ und „Gastarbeiter“, die nach dem Rotationsprinzip maximal ein Jahr lang zur Arbeit in Österreich bleiben sollen. Gekommen sind Menschen, die maßgeblich für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Österreichs beigetragen und sich hier Existenzen geschaffen haben.

Die von migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ und Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung OÖ initiierte Wanderausstellung begibt sich auf die Spurensuche dieser Personen, erzählt ihre Lebensgeschichten und liefert eine historisch-politische Rückschau zur Arbeitsmigration in (Ober-)Österreich. Dokumente, Fotografien und persönliche Gegenstände geben einen vielschichten Einblick in den Alltag der Menschen und illustrieren eindrucksvoll, was es bedeutet, sein Zuhause zu verlassen und ein neues Leben aufzubauen. Im Museum Arbeitswelt Steyr widmet sich unter dem Titel „Spurensuche“ ein speziell für diesen Standort gestalteter Raum den Erzählungen und Geschichten von Menschen aus der Region. Hier werden im Sinne des Prinzips der „Growing Spaces“, der wachsenden Räume, persönliche Gegenstände, Dokumente, Fotografien und anderer Exponate von Menschen aus Steyr und Umgebung gezeigt.

Intention der Projektträger und des Kurators Michael John ist es, ein Stück weit Erinnerungsarbeit zu leisten. Wer weiß heute noch über die Ereignisse der 1960er- und 1970er-Jahre Bescheid? Ist bekannt, dass die Republik Österreich aus Angst davor, die wirtschaftlich boomende Bundesrepublik Deutschland, aber auch die Schweiz, könnten ihr bei der Arbeitskräfteanwerbung zuvorkommen, aktiv Arbeitgeber und Bürgermeister in die Türkei und das ehemalige Jugoslawien geschickt hat, um mit Bussen Fachkräfte ins Land zu holen, dass diese Menschen einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand Österreichs beigetragen haben? Ein großes Ziel der Ausstellungsmacher/innen ist es, auch die Geschichte der Arbeitsmigration in Österreich zu einem Teil des kollektiven Gedächtnisses werden zu lassen.

GEKOMMEN UND GEBLIEBEN ist von 9. März bis 10. April 2016 im Museum Arbeitswelt Steyr zu sehen.
Der Eintritt ist frei.
Mehrsprachige Führung (Deutsch, Türkisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch) mit Kurator Michael John: Fr. 8. April 2016 um 17.00 Uhr. Eintritt frei.
Die Ausstellung wird finanziell unterstützt von Land Oberösterreich, Stadt Linz, ÖGB, AK Oberösterreich und WK Oberösterreich.

Michaela Stoiber
Vermittlung und Kommunikation,
Museum Arbeitswelt Steyr

 


Ausstellungskonzept: migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ, Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung OÖ
Wissenschaftliche Leitung, Kurator: Michael John
Ausstellungsgestaltung: Manfred Lindorfer
Ko-Kuratorin: Marion Wisinger
Graphisches Design: Gottfried Hattinger
Werbedesign: Richard Fischer
Druckgestaltung: Christian Schepe
Videoprojekte: Oliver Jungwirth, Horst Lausegger, Wolfgang Reder


Fotos: Ötmen/Ramaj (1/2), Sefa Yetkin (3)
Vorschau: Berühmtes Plakat der „Aktion Mitmensch“ gegen Ausländerfeindlichkeit und xenophobe Emotionen gegenüber Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern

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