Erstellt am 9. Oktober 2015

Best practice: Kulturwanderweg für Alle

Aschach – Markt am Strom

Im Oktober 2009 wurde der barrierefrei zugängliche und mit allen Sinnen erfassbare Kulturwanderweg in Aschach (OÖ) eröffnet. Ein zu diesem Zeitpunkt europaweit einzigartiges multisensorisches Pilotprojekt.
Der Markt Aschach profitierte über Jahrhunderte von seiner Schlüsselstellung an der Donau. Dem gut angebundenen Handels- und Mautort wurde bereits 1512 das Markt- und Wappenrecht verliehen, was seine langfristige Entwicklung und Wohlstand förderte. Ziel war es, im Sinne universellen Designs die besondere Kulturgeschichte des Ortes über die Architektur multisensorisch erfassbar und für alle zugänglich zu machen.

Kulturvermittlung – immer und überall

Entlang der Donaupromenade wurden Schwarzblechstelen aufgestellt, deren unaufdringliches Design sich harmonisch ins Ortsbild einfügt. Die historische Entwicklung wird anhand wichtiger Gebäude vermittelt. Die Fakten werden barrierefrei zugänglich und multisensorisch (sehen, hören, fühlen) angeboten. Schwenkbare Tastelemente, Videozuspielungen in Gebärdensprache, Audiodeskriptionen und leicht lesbare Texte machen den kulturhistorischen Weg zu einem mehrschichtig begreif- und wahrnehmbaren Erlebnis.
Hörstationen und Tastobjekte ermöglichen es, sehbeeinträchtigten und blinden Menschen die Informationen kombiniert verständlich zu machen. Videozuspielungen in Gebärdensprache berücksichtigen die Bedürfnisse gehörloser Besucher/innen. Kulturinteressierte, die diese multisensorischen Angebote nicht benötigen, empfinden diese als bereichernde Zugänge. Die Verbindung der barrierefreien Hilfsmittel mit Herkömmlichen macht die spezifische Vermittlung für Menschen mit Beeinträchtigungen nicht exklusiv sondern inklusiv.

Fazit

Es ist nicht selbstverständlich, was selbstverständlich sein müsste. Umfassende Barrierefreiheit ist so einfach, warum ist sie nicht die Norm? Solange es nicht selbstverständlich ist, alle Menschen gleich zu berücksichtigen, müssen Ehrenamtliche und private Förderungen helfend einspringen, wo die öffentliche Hand fehlt. Die Kosten für den barrierefreien Kulturweg wurden von den vier Eferdinger Service-Clubs Rotary, Soroptimist, Round Table und Kiwanis getragen. Die Produktion der Videosequenzen wurde vom Oberösterreichischen Gehörlosenverband in Eigenregie übernommen. Gute Lösungen werden übrigens oft erst durch intensive Zusammenarbeit mit Spezialisten und Betroffenen erreicht. Aschach ist dafür beispielgebend.

Sigrid Strohschneider-Laue & Doris Prenn, prenn_punkt. buero fuer kommunikation & Gestaltung


Fotos: Doris Prenn

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