Erstellt am 22. August 2015

Hören und Hörbares

Die Abstufungen zwischen vorzüglicher Hörfähigkeit und kompletter Taubheit sind sehr vielfältig – ebenso sind es die möglichen Formen der Kommunikation, sie sind davon abhängig, ob Laut-, Gebärden- oder Textsprache verstanden wird.
Gehörlose, die Gebärde, Mimik und Mundbild interpretieren, brauchen Gebärdensprache. Spätertaubten und gehörgeschädigten Menschen fällt es leichter Texte zu erfassen oder sind durch Hilfsmittel befähigt, Akustisches zu verarbeiten.

Mindestens zweisinnig

Für alle Besucherinnen und Besucher ist ein gut erfassbares Leitsystem vorteilhaft. Das gilt auch für die Hinweise auf Informationen in Gebärdensprache, spezielle Textebenen sowie akustische Zuspielungen. Es gilt, die Aufmerksamkeit einzufangen und auf die Angebote zu richten. Das beste Leitsystem wirkt nur halb so gut, wenn geschultes Personal fehlt, das mit den Bedürfnissen der Besucher umzugehen weiß. Grundkenntnisse der Gehörlosenkultur sind wichtiger, als die Gebärdensprache zu beherrschen. Ein Gebärdenspickzettel mit dem Notwendigsten kann trotzdem hilfreich sein.

Hören und Sehen

Eine gute Raumakustik ist Basis für erfolgreiche Raumnutzung. Einerseits soll kein Halleffekt, Echo oder hoher Geräuschpegel entstehen, andererseits soll nichts Hörenswertes „geschluckt“ werden. Wichtig ist dies für Veranstaltungen, bei Führungen und größeren Besucher/innengruppen sowie für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen – egal ob sie auf Hörhilfen angewiesen sind oder nicht. Qualitätsvolle Aufnahmen sollten nicht den ganzen Raum beschallen, sondern über Kopfhörer oder in Hörstationen abrufbar sein.
Visual Guides, Videozuspielungen mit Text und/oder Gebärdensprache sowie Texte, die das fehlende Hörvermögen berücksichtigen, gewährleisten den Informationsfluss. Bei Zuspielungen in Gebärdensprache ist darauf zu achten, dass die Videos spiegelfrei platziert sind, die Aufnahme selbst scharf und gut ausgeleuchtet ist, damit Hände, Mund sowie Mimik perfekt wahrnehmbar sind.

Tasten und Riechen

„Be“-greifen und „erschnüffeln“ ist wichtig, interessant und macht außerdem Spaß. Tast- und Geruchsinn sind sogar bei Menschen, deren Fähigkeiten diesbezüglich schwächer sind, ein wesentlicher, oft unterschätzter Beitrag zum Verständnis. Hören wird mit spürbaren Schallwellen fühlbar. Gerüche lösen Emotion aus und wecken Verständnis. So lässt sich Arbeit nicht ohne diese glaubwürdig vermitteln.

Fazit

Bedarfsorientierte Texte, Zuspielungen in Gebärdensprache, Videos mit Untertiteln sowie optimale Akustik sind ein Qualitätsgewinn und erhöhen den Wohlfühlfaktor.

Doris Prenn, prenn_punkt. buero fuer kommunikation & Gestaltung


Fotos: LENTOS Kunstmuseums (Previewbild), vlnr: Steirisches Feuerwehrmuseum, Doris Prenn, Salzburg Museum

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