Erstellt am 15. Mai 2015

Mit den Augen hören

Was Hände zu sagen haben

Gebärdensprache ist eine Minderheitensprache mit eigener Grammatik und Syntax. Kommuniziert wird mithilfe der Hände, der Gesichtsmimik sowie der Kopf- und Körperhaltung. Wie bei gesprochenen Sprachen, gibt es weltweit zahlreiche Gebärdensprachen, die regional variieren – u. a. Dialekte, altersspezifische Unterschiede. Seit 2005 ist die Österreichische Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt (BV-G § 8 (3)). Allein In Österreich leben etwa 450.000 Menschen mit Hörbehinderung/en, rund 10.000 davon nutzen Gebärdensprache täglich. Der Österreichische Gehörlosenbund ist seit über 100 Jahren die Interessenvertretung der Gehörlosengemeinschaft in Österreich. Der Österreichische Gebärdensprach-DolmetscherInnen- und -ÜbersetzerInnen-Verband wurde 1998 gegründet.

Alle sollten sehen, was nicht zu hören ist

Barrierefreiheit bedeutet, umfassende Zugänge zu gewährleisten. Dazu gehören zu gleichen Teilen die Vermittlung von Inhalten und die mobile Zugänglichkeit. Die Einbindung multisensorischer Komponenten sind dafür ebenso Grundlagen wie gesprochene, geschriebene und gebärdete Informationen. Angebote in Gebärdensprache sollten daher so selbstverständlich sein wie Fremdsprachiges für internationale Besucher/innen. Auf diese Weise wird allen Menschen Rechnung getragen und zugleich für die Vielfalt an Bedürfnissen sensibilisiert. Erfahrungsgemäß werden diese spezifischen Angebote auch von jenen Menschen mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, die sie selbst nicht benötigen.

Gebärdensprache ist überall möglich

Universelles Design, zu dem Videos in Gebärdensprache gehören, zeichnet das „Waldkompetenzzentrum“ der Böhmerwald Arena aus. Informationsstelen im universellen Design, die für die Bayerisch-oberösterreichische Landesausstellung 2012 „Verbündet Verfeindet Verschwägert“ entwickelt wurden, boten ebenfalls Zuspielungen in Gebärdensprache. Sogar Outdoor-Projekte können Kurzfilme abrufbar halten, wie der barrierefreie Kulturwanderweg „Markt am Strom“ beweist.

Fazit

Um alle Menschen zu erreichen, braucht man die jeweils richtige Sprache. Gebärdensprache ist eine davon, die nirgends fehlen sollte.

Sigrid Strohschneider-Laue & Doris Prenn, prenn_punkt. buero fuer kommunikation & Gestaltung


Foto: Salzburg Museum

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