Erstellt am 21. April 2015

Texthürden machen Menschen scheu

Ja, das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fach gewesen

Ein Museum sollte kein „begehbares Buch“ sein – außer es dreht sich alles um Bücher. Texte in Ausstellungen sind essenziell – aber nur, wenn sie publikumsorientiert und barrierefrei sind. Fachartikel gehören nicht an die Wand, sondern in den Katalog. Es gibt viele Abstufungen zwischen elitären Wissenschaftstexten und stark vereinfachten Kurzinformationen. Der Einheitstext kann daher nie für alle Besucher/innen gut genug sein. Richtiger ist es, passende Texte für verschiedene Ansprüche anzubieten und den Besucherinnen und Besuchern selbstbestimmt Wahlmöglichkeiten – z. B. Kurz- und Langinformation, Überblick und Vertiefung, Wissenschafts- und Laienniveau – zu bieten.
Leichte Sprache ist davon das barriereloseste Angebot. Den jeweils richtigen Schreibstil zu wählen, erfordert Spezialwissen und Erfahrung.

Leichte Sprache

Leichte Sprache dient Leseanfängerinnen/-anfängern, Menschen mit eingeschränktem Wortschatz, fehlender Schulbildung oder Lernschwierigkeiten sowie Menschen mit Beeinträchtigungen, die es verhindern, konzentriert lesen zu können.

Der voranstehende Satz enthält 23 Wörter – darunter politisch korrekte Formulierungen, Fachtermini, eine Aufzählung sowie Haupt- und Nebensätze mit vielen Informationen. Dies entspricht z. B. in leichter(er) Sprache formuliert:

Das Publikum ist vielfältig. (4 Wörter, 1 Information) Leichte Sprache ist leicht lesbar und leicht verständlich. (8 Wörter, 2 Informationen)

Um Inhalte angemessen zu vermitteln, muss zuerst die Zielgruppe definiert werden, dann kann für den Bedarf des Publikums formuliert werden. Grundschüler/innen haben eben andere Ansprüche als Erwachsene mit geringen Lesefähigkeiten. So macht z. B. das private „du“ statt des höflichen „Sie“ einen Text für Erwachsene nicht leichter lesbar, sondern nur respektloser.

Leichtes Lesen

Leichte Sprache ist nicht genug. Leichtes Lesen ist von Gestaltung und Präsentation des Textes abhängig. Der beste Text ist verschwendet, wenn Schrifttypen, Spationierungen, Durchschüsse, Lauflängen, Bündigkeiten, Kontraste und Papierqualität unberücksichtigt bleiben. Leicht lesbare Texte werden, um sie schnell auffindbar zu machen, mit Icons gekennzeichnet.

Fazit

Leichte Sprache macht Inhalte zielgruppenorientiert verständlicher, ist aber schwer zu schreiben. Eine enge Zusammenarbeit von KuratorInnen, GestalterInnen und TexterInnen ist für umfassende sprachliche Barrierefreiheit, wie sie z. B. in der Bayerisch-oberösterreichischen Landesausstellung „Verbündet Verfeindet Verschwägert“ geboten wurde, erforderlich. Leichte Sprache wird auch von Jenen gerne gelesen, die es gar nicht benötigen würden.

Sigrid Strohschneider-Laue & Doris Prenn

PS: Der Kulturwanderweg in Aschach bietet Texte in Leichter Sprache.

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