Die Bedeutung von virtuellen Kulturplattformen in Zeiten der Corona-Pandemie

Empowering Digital Change ist das Motto der Europeana Strategie der kommenden fünf Jahre. Was vor ein paar Wochen noch wie ein Versprechen für eine ferne Zukunft geklungen haben mag, ist mittlerweile eine Notwendigkeit geworden. In einer Zeit, in der die meisten Museen und andere Kultureinrichtungen in ganz Europa ihre Türen für Besucherinnen und Besucher schließen mussten, sind digitale Sammlungen und Ausstellungen das einzige Aushängeschild dieser Einrichtungen.

Wer es geschafft hat, die eigenen Sammlungen zu digitalisieren und ins Netz zu stellen, hat auch jetzt noch die Möglichkeit, mit den Nutzerinnen und Nutzern im Austausch zu bleiben. Wissenschaftler/innen können weiter mit und an den Sammlungen forschen. Lehrer/innen können Inhalte in ihre Unterrichtsstunden einbinden, die sie den Schülerinnen und Schülern über Onlineplattformen nach Hause liefern. Und auch die Museumsbesucher/innen können sich weiterhin an Kunstwerken, archäologischen Schätzen und historischen Objekten erfreuen.

Der speziell in diesen Tagen wichtige virtuell gewährte Zugang zu den Sammlungen kann helfen, die kulturellen Unterschiede in unserer Gesellschaft wertzuschätzen und den sozialen Zusammenhalt zu verbessern. Nie war das so wichtig wie in der von der Corona Pandemie geprägten Zeit, die wir aktuell durchleben.

Europeana hat es sich zum Ziel gesetzt, den digitalen Transformationsprozess des Kulturerbe-Sektors zu unterstützen und Kultureinrichtungen auf dem Weg in eine digitale Zukunft zu begleiten.
Wenn wir von Europeana reden so meinen wir drei Gruppierungen, die gemeinsam als Europeana Initiative zusammenarbeiten. Da ist zum Einen die Europeana Foundation, Stiftung nach niederländischem Recht mit Sitz in Den Haag. Sie betreibt die Plattform der Europeana. Die Europeana Network Association vereint Expertinnen und Expertenen aus unterschiedlichen für den Kulturerbe-Sektor relevanten Bereichen. Das Europeana Aggregators’ Forum ist das Netzwerk der mehr als 30 anerkannten Aggregatoren, die die digitalisierten Sammlungen der Kultureinrichtungen aus ganz Europa für Europeana aufbereiten.

Für Österreich ist Kulturpool als nationaler Aggregator im Europeana Aggregators’ Forum repräsentiert. Über Kulturpool, im Auftrag vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport Sektion IV / Kunst und Kultur und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung eingerichtet, werden derzeit Sammlungen von rund 15 österreichischen Kultureinrichtungen in Europeana zugänglich gemacht.

Gleichzeitig bietet Kulturpool mit seinem Portal www.kulturpool.at auch einen zentralen Zugriff auf dieses Erbe auf nationaler Ebene.

Wer sich auf europeana.eu umschaut findet eine Fülle von Beispielen, wie digitale Sammlungen für verschiedene Nutzer/innengruppen aufbereitet werden können. Ressourcen für Lehrer/innen, virtuelle Ausstellungen und unsere Blogs sind von unseren Expertinnen und Experten aufbereitete Inhalte, die mit zusätzlichen Informationen angereichert wurden und im Kontext anderer thematisch verwandter Inhalte dargestellt werden.

Ihnen allen gemein ist eine hohe Qualität und eine hohe Nachnutzbarkeit (offene Lizenzen). Neben diesen manuell betreuten Elementen vertrauen wir auch auf die Qualität der Metadaten, um Sammlungen automatisch zusammenzubringen und thematisch zu gruppieren.
Unsere thematischen Sammlungen werden wir auf dieser Grundlage in Zukunft massiv ausbauen können. Mit diesen Produkten und Dienstleistungen sind wir aktuell auch in der Lage, auf die Herausforderungen der Pandemie zu reagieren und Möglichkeiten zu schaffen sich online mit den Schätzen der europäischen Kultureinrichtungen zu beschäftigen.

Wenn auch Sie von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen möchten, sprechen Sie mit uns oder ihren Partnern vor Ort. Für Kulturpool ist dies Leonore Felmayer, lore.felmayer@uma.at oder redaktion@uma.at.

Wenn es um die Publikation von digitalen Sammlungen auf Internet-Plattformen geht, spielen Standards und Richtlinien eine große Rolle.
Je strukturierter die Sammlungen aufbereitet sind (und das gilt sowohl für die digitalen Medien als auch für die Metadaten, die diese Medien näher beschreiben), desto einfacher können die Sammlungen auf verschiedenen Plattformen und für verschiedene Nutzergruppen präsentiert werden.
In diesem Zusammenhang sei hier nur auf das Europeana Publishing Framework hingewiesen, das als Richtlinie den Zusammenhang zwischen Qualität der Daten und Inhalte und ihrer Nutzbarkeit in den Mittelpunkt stellt. Je besser die Daten, je höher die Qualität der digitalen Medien, desto mehr Nutzungsmöglichkeiten ergeben sich, ganz gleich auf welcher Plattform die digitalen Sammlungen veröffentlicht werden.
Wer nur kleine Vorschaubilder zeigt und nur eine geringe Erschließungstiefe der digitalen Sammlungen ohne kontextuelle Informationen anzubieten hat, kann nicht erwarten, einen großen Nutzer/innenkreis zu erschließen.
Wer in sozialen Netzwerken vertreten sein will und seine Inhalte einem möglichst breiten Publikum zur Nutzung und Nachnutzung anbieten möchte, kommt um hochauflösende Bilder und offene Lizenzen nicht herum. Dann aber steht einem die Welt offen, und Europeana hat viele Beispiele dafür.

Henning Scholz, Partner & Operations Manager, Europeana Foundation, Den Haag & Lore Felmayer, Kulturpool, Wien

Datum

Erstellt am 11. April 2020

Credits und weitere Informationen

Foto:
Osterei aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien