Erstellt am 9. Juli 2018

Staub. Er ist immer und überall

Staub entsteht laufend. Es handelt sich dabei um Partikel unterschiedlichster Art, die sich aus organischen/biologischen Anteilen (Pollen, Sporen, Bakterien, Hautschuppen, Haare) und anorganischen Anteilen (Rauch, Seesalz, Wassertröpfchen) sowie Verbrennungsprodukten (Rauch, Asche) zusammensetzen können.

Eine Hauptquelle für Staub im Innenraum sind unter anderem Menschen und ihre Aktivitäten, im Fall eines Museums zum Beispiel Besucher/innen, die durch ihre Kleidung, ihre Schuhe, ihre Haut, ihre Haare beständig Staub produzieren und produzieren. Jeder Schritt wirbelt zudem Staub in Teppichen und Fußbodenbelägen auf.

Im Allgemeinen ist die Verteilung von Staub in Innenräumen abhängig vom Luftwechsel, von Luftströmungen und deren Geschwindigkeiten, insbesondere raumlufttechnische Anlagen und Heizungen können massiven Einfluss darauf nehmen. Die in unseren Breiten übliche Warmwasserzentralheizung mit einzelnen Heizkörpern erwärmt die Luft. Dadurch entsteht eine beständige Raumluftbewegung, die Staub mit sich ziehen kann, und ihn in der Folge auf Wänden und Kunstobjekten ablagert.

Der Einsatz von Staubsaugern ohne entsprechenden Schwebstofffilter, der auch die kleinsten Partikel umfasst (HEPA-Filter), kann sein Übriges zur Staubverteilung beitragen.

So sammelt sich laufend ein grauer Schleier auf Objekten in Sammlungen an. Neben den ästhetischen Beeinträchtigungen, stellt er auch ein Risiko für die Erhaltung von Kunstobjekten dar. In der Regel absorbieren Staubauflagen Feuchtigkeit und Schadstoffe, wodurch sie wie Kompressen auf Objektoberflächen wirken und Alterungsprozesse beschleunigen können.
Die im Staub enthaltenen organischen Bestandteile dienen als Futterquelle für Schädlinge und als Nährboden für Schimmel – oft liegt einem biogenen Befall unzureichende Hygiene zu Grunde. Darüber hinaus können scharfkantige Staubpartikel Abrieb auf empfindlichen Oberflächen verursachen.

Eine regelmäßige Reinigung ist jedoch nicht in allen Fällen eine ausreichende Lösung (Abb. 1). So stellen besonders empfindliche Objekte, Restauratorinnen und Restauratoren bei einer Trockenreinigung vor Herausforderungen. Dazu gehören etwa fragile, poröse, stark gealterte, kleinteilige Objekte wie Insektensammlung oder Materialien, aus denen Staub nur schwer zu entfernen ist wie Textilien, Federn oder Wachs. In einem Projekt an der Universität für angewandte Kunst Wien konnte festgestellt werden, dass bei einer historischen Raumausstattung beim konservatorischen Absaugen mit geringer Saugkraft hauptsächlich Fasermaterial vom Objekt selbst entfernt wurde. Das regelmäßige Absaugen dieser Objekte führt also dazu, dass in der Folge immer weniger davon übrig bleibt.
Auch beim Staub ist Prävention oft die beste Lösung.

Wie kann nun Staub vermieden werden?

Zum einen kann das Besucher/innenaufkommen kontrolliert werden und in einer Ausstellung können Objekte zum Beispiel so gut wie möglich isoliert werden, etwa durch staubdichte Vitrinen. Auch gesamte Raumausstattungen lassen sich hinter Glas setzen, wie dies etwa im Schloß Schönbrunn bereits geschah. Eine weitere Variante ist, dass die Besucher selbst in einem Durchgang aus Glas platziert werden.

Auch in der Ausstattung der Museumsräume kann zum Staubschutz beigetragen werden. Heizsysteme, die Strahlungswärme abgeben, wie etwa Fußbodenheizungen oder Wandtemperiersysteme, verursachen weniger Konvektion und somit auch weniger Staubverteilung als herkömmliche Heizungen. Fenster und Türen sollten möglichst dicht gehalten werden und es sollte auf den Zustand und die Qualität von Fußbodenbelägen; Tapeten, Wandfarben etc. geachtet werden. Darüber hinaus sollten die Fenster und Türen möglichst dicht sein. Eine regelmäßige Reinigung der Räumlichkeiten von geschultem Personal ist essenziell. Der Einsatz von Staubsaugern mit HEPA-Filtern sorgt dafür, dass bei der Reinigung nicht nur der Staub aufgewirbelt, sondern tatsächlich entfernt wird.
Im Depot, wo die Objekte nicht sichtbar sein müssen, bieten geschlossene, staubdichte Schränke in der Regel einen guten Schutz (Abb. 2). Für besonders schwer zu reinigende, kleinteilige und fragile Objekte können außerdem säurefreie Kartonverpackungen zum Einsatz kommen. Bei größeren staubempfindlichen Objekten ist die Anwendung von Hussen und Schutzhüllen eine Option. Hier muss darauf geachtet werden, dass das Material der Hüllen museumstauglich und staubdicht, aber immer noch atmungsaktiv ist, um Mikroklimata zu vermeiden (z. B. Tyvek, Polyethylenvlies). Ein großer Nachteil des Verhüllens bleibt jedoch, dass die Objekte nicht sichtbar und im schlimmsten Fall nicht mehr als Kunstobjekte erkennbar sind. Ein Weg, um diesem Effekt entgegenzuwirken, ist das Anbringen von Abbildungen und Inventarnummern auf den Verpackungen.

Johanna Runkel, Universität für Angewandte Kunst, Wien


Literaturtipps:
Höllinger, R./Wallmann, H., Konservatorische Bestandserfassung und Präsentationskonzept der Tapisserien und Polstermöbel des Boucher-Zimmers in der Hofburg-Wien, in: Krist, G. (Hrsg.), Sammlungspflege-Collection Care, Wien 2015, S. 248-259.
Schieweck, A./Salthammer, T., Schadstoffe in Museen, Bibliotheken und Archiven, Stuttgart 2014.


Abbildungen:
Abb. 1: Eine Studierende des Instituts für Konservierung und Restaurierung bei der Trockenreinigung eines stark verstaubten Kronleuchters. © Johanna Wilk, Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien, Stift Neukloster, Wiener Neustadt.
Abb. 2: Geschlossene Kästen im Depot tragen zum Schutz vor Staub bei. © Christoph Schleßmann, Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien, Stift Neukloster, Wiener Neustadt.