Erstellt am 10. April 2018

Was ist präventive Konservierung?

Restaurierung umfasst mehr als die Arbeit an einem einzelnen wertvollen Stück, mehr als das „Beheben von Schäden“.
Die Profession entwickelt sich laufend weiter und erschließt neue Gebiete und Wissenschaftsbereiche – alles mit dem Ziel der Erhaltung von Kunstobjekten. Dies kann weit über das Einzelobjekt hinausgehen, gesamte Sammlungen und Bestände werden zum Thema.

Die Aufgabe des Restaurators ist somit auch das ganzheitliche Verstehen von Schadensmechanismen und das nachhaltige Vorbeugen von Schäden und Verlusten. Es geht darum, etwas zu unternehmen, bevor etwas passiert: z. B. das Herabfallen einer Porzellanvase zu verhindern, anstatt sie später in mühevoller Kleinarbeit zu kleben; oder dem Abplatzen von Malschichten auf Gemälden durch die Regulierung des Klimas vorzubeugen, anstatt mit Acryldispersionen zu festigen. Das ist präventive Konservierung.

Anders als bei der klassischen Restaurierung eines einzelnen Objektes – der Maßnahme, die notwendig wird, wenn schon etwas passiert ist – beschäftigt sich die präventive Konservierung mit möglichen Risiken und Gefahren und bemüht sich diese schon im Vorfeld zu vermeiden.
Es ist also ein Versuch, in die Zukunft zu blicken und diese positiv zu beeinflussen. Das ideale Resultat einer präventiven Maßnahme ist: nichts. Der Zustand des Objekts sollte sich nicht verändern.
Das klingt zuerst recht unspektakulär. In Anbetracht der Tatsache, dass alles auf dieser Welt altert, verfällt und auch sehr leicht vergessen wird, ist Dauerhaftigkeit ein großes (und beinahe) unrealistisches Ziel. Das Canadian Conservation Institute, ein Vorreiter in der Forschung zur präventiven Konservierung, hat zur Vereinfachung der Vorgehensweise, die wichtigsten Schadensursachen zusammengefasst, die es gilt, positiv zu beeinflussen.
Sie umfassen etwa Aspekte, die in unserer Umgebung immer vorhanden sind:

    • Luftfeuchtigkeit
    • Temperatur
    • Staub und Schadstoffe
    • Licht
    • biogene Einflüsse wie Schädlinge und Schimmel
    • mechanische Einwirkungen aller Art (beispielsweise das Fallenlassen der Porzellanvase)
    • katastrophalen Ereignisse wie Feuer und Wassereinbrüche

Nicht zu vergessen ist der menschliche Faktor, der sich in Diebstahl, Vandalismus aber und auch besonders häufig in Unwissenheit und Ignoranz manifestiert.
Zahlreiche Kunstobjekte gehen schlichtweg verloren. Um all diese Schadensfaktoren erfolgreich auszuhebeln und zu verstehen, braucht es nachhaltiges Denken, Materialkenntnis, Hausverstand und in einigen Fällen eingehende Messungen und Untersuchungen.
Am Beginn steht jedoch immer der Wille, so viel wie möglich zur Erhaltung eines Objekts/einer Sammlung beizutragen.

Johanna Runkel, Universität für Angewandte Kunst, Wien