Erstellt am 1. März 2016

Vertriebene und Verbliebene Erzählen. Tschechoslowakei 1937–1948

Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde (10. Februar bis 10. April 2016)

Die Ausstellung thematisiert die NS-Zeit in der Tschechoslowakei und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensgeschichtliche Videointerviews, die in Österreich, Tschechien und der Slowakei geführt wurden, dokumentieren Erinnerungen an diese Geschichte bis in die Gegenwart. Als mitteleuropäische Kooperation wird die Ausstellung zeitgleich in Wien, Praha/ Prag und Bratislava/ Preßburg gezeigt.

Die 1918 entstandene Tschechoslowakei erbte von der Donaumonarchie die Konflikte der dort lebenden Volksgruppen. Der Nationalsozialismus radikalisierte den nationalen Anspruch als „rassische“ Vorherrschaft durch Annexion, Unterdrückung und Mord. Unmittelbar auf das Dritte Reich folgte die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, die abermals von Unrecht und Tod bestimmt wurde.

40 Interviews zeichnen die historischen Vorgänge im Spiegel der individuellen Erfahrung nach: in Familie und Nachbarschaft, in ethnisch gemischten Städten und entlegenen Dörfern, in Frieden und Krieg, während Gefangenschaft, Deportation und Neubeginn. Eine besondere Rolle spielen Interviewpartnerinnen und -partnern, die dem nationalen Entweder-Oder widersprechen: gemischte Paare, deutschsprachige Gegner des nationalsozialistischen Regimes, Tschechinnen und Tschechen, Slowakinnen und Slowaken, die sich dem kommunistischen „antifaschistischen“ Narrativ der Vertreibung widersetzen, etc.

Die Ausstellung besteht aus 15 thematischen Video-Stationen. In jedem Themenkreis werden unterschiedliche biografische Perspektiven im Wechsel der Originalsprachen (mit Untertitelung in die jeweilige Landessprache) aufeinander bezogen. Die Video-Stationen arbeiten emotionale und kognitive Motive im Spannungsfeld von Biografie und Geschichte heraus.

Georg Traska, Kurator
Österreichische Akademie der Wissenschaften


Fotos: Johanna und Vladimír Gehrlich, Julius Bruckner im Interview 2015 (Fotos: Georg Traska), Ausstellungsansicht (Foto: Matthias Klos)
Vorschau: Fotos von Prievoz/Oberufer im Album von Josef Derx, 2015 (Foto: Georg Traska)

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