Erstellt am 8. Februar 2016

Stift Admont: Zeitgenössische Kunstwerke geschaffen für Blinde und Sehende

In der Sammlungsschiene MADE FOR ADMONT im Stift Admont werden u. a. Kunstwerke für blinde, sehbeeinträchtigte und sehende Menschen geschaffen. Durch dieses in ganz Europa einmalige Kunstprojekt „JENSEITS DES SEHENS Kunst verbindet Blinde und Sehende“ wird ein neuer Zugang zur zeitgenössischen Kunst ermöglicht. Allen Kunstwerken dieser Spezialsammlung ist gemeinsam, dass ihre Wahrnehmung über die Augen nicht im Vordergrund steht. Jedes Kunstwerk ist mehrsinnlich direkt erfahrbar und begreifbar.

Die Ausstellung war erstmals 2012 im hausinternen Museum für Gegenwartskunst Stift Admont zu sehen und danach für zwei Monate im Contemporary Art Center Winzavod in Moskau. Die Feedbacks der international besuchten Ausstellungen der Sammlung in Admont und Moskau bestätigen eine gewisse Einzigartigkeit und Einmaligkeit des Gesamtansatzes.

Im Auftrag des Stiftes Admont – entsprechend der Gesamtidee – wurden seit 2002 Kunstwerke geschaffen, die für Blinde UND Sehende im Rahmen eines Museums zugänglich sind. Auf eigene Art und Weise setzen sich die KünstlerInnen mit Blinden, mit Blind-Sein, mit Sehbeeinträchtigungen auseinander. Für gewöhnlich heißt es in Museen strikt: Nicht berühren! Bei dieser Ausstellung können alle Kunstwerke haptisch ohne Handschuhe, direkt erkundet werden. Damit eröffnet sich die Möglichkeit der Annäherung an den Inhalt/an die künstlerische Idee des Kunstwerkes sowie das Angebot zur Interaktion anzunehmen und sich darauf einzulassen. Kunst wird auf unerwartete, auf spielerische Weise für blinde Menschen und sehende Menschen gleichermaßen erlebbar. Ein gesamtleiblich erfahrbarer Zugang zur Kunst mit hohem Erlebnis- und Entdeckungspotential.
„exhibition in progress“: Herzstück der Gesamtkonzeption von JENSEITS DES SEHENS ist der Dialog und der Diskurs. In der gesamten Konzeption steht der Kommunikationsprozess, stehen die Wechselbeziehungen, das Voneinander-Lernen und das Miteinander-Sein von Blinden und Sehenden im Fokus.

Die Ausstellung wird von einem hochmotivierten Publikum gezielt besucht, vereinzelt von unterschiedlichen Netzwerken Blinder und Sehbeeinträchtigter organisiert. Die Atmosphäre bestimmt eine freudige Erregtheit, Neugier und Erwartung mit großer Überraschung hinsichtlich des Angebots und der unterschiedlichen Möglichkeiten zur Aktivität und Information. Das Vermittlungsangebot läuft nicht in festgelegten Kategorien ab. Grundsätzlich kommen blinde und sehende Menschen gemeinsam, oftmals in Kleingruppen. Sehende können mit Augenbinden (Angebot vorhanden, aber prinzipiell freiwillig) die Ausstellung erleben, was vor allem bei Schulklassen beliebt ist.

Derzeit ist die Sammlung „JENSEITS DES SEHENS Kunst verbindet Blinde und Sehende“ im Museum Admont nicht permanent zugänglich. Je nach Thematik werden einzelne Werke in Sonderausstellungen eingebunden bzw. werden von anderen Museen als Leihgabe angefordert.
Die Sammlung ist in kleinen Schritten im Ausbau. Das Interesse seitens der KünstlerInnen ist sehr groß. Zwei neue JENSEITS DES SEHENS-Kunstwerke sind in Arbeit. Geplant ist, dass die gesamte Sammlung als Leihgabe in weitere Länder auf Wanderschaft geschickt wird.

Tamara Huf, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos: Stift Admont

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