Erstellt am 9. Februar 2016

Kommunikative Barrierefreiheit als zusätzlicher Schwerpunkt im Salzburg Museum

Die Kunst- und Kulturgeschichte von Stadt und Land Salzburg zu präsentieren hat sich das Salzburg Museum in der Neuen Residenz zur Aufgabe gemacht. Die Dauerausstellung „Mythos Salzburg“ zeigt den Aufstieg Salzburgs zur Barockstadt und wie sich nach dem Ende des Erzbistums nach 1800 die städtischen Strukturen bis heute entwickelten. Durch laufende Sonderausstellungen wird das harmonische Konzept des Museums modern, informativ und gleichzeitig unterhaltsam abgerundet und ist dafür mit dem Europäischen Museumspreis 2009 und dem Österreichischen Museumspreis 2007 ausgezeichnet worden.

Im Zuge des Umbaus 2007 wurde im gesamten Gebäudekomplex für Barrierefreiheit und größtmögliche Mobilität für alle Museumsbesucher/innen gesorgt. Die Motivation des Salzburg Museum ist es, ein Museum für alle zu schaffen, was heute völlig selbstverständlich sein sollte. Es wird weiterhin daran gearbeitet die Neue Residenz Schritt für Schritt allen Menschen zugänglich zu machen und deswegen liegt der Schwerpunkt der letzten Jahre nun auf der kommunikativen Barrierefreiheit.

Kompliziert formulierte Texte und Führungen, bei welchen sehr viel Vorwissen vorausgesetzt wird, schrecken oft vor einen Besuch ab. Diesen Barrieren im Kopf, die oft schwer fassbar sind, wird beispielsweise seit 2013 mit Führungen in „Leichter Sprache“ entgegengewirkt. Zusätzlich wurden Informationsbroschüren mit leicht verständlichen Formulierungen verfasst, um so auf das Angebot adäquat aufmerksam zu machen. Bei der Landesausstellung 2016 wird es auch Raumtexte in „Leichter Sprache“ geben, was die Inklusion weiter verbessert.

Aber auch in der virtuellen Welt – dem neuen Internetauftritt des Salzburg Museum, wird auf die Zugänglichkeit für alle Besucher/innen gesetzt: „Leichte Sprache“ als inhaltliche Barrierefreiheit, Einstellungsmöglichkeiten für Schriftgröße/Kontrast/Farbe, Bildbeschreibungen und leichte Navigation sind Schwerpunkte, die nun online umgesetzt werden.

Um die Inklusion effektiv voran zu treiben setzt das Salzburg Museum auf eine enge Zusammenarbeit mit jenen Menschen, die von einer Verbesserung der Barrierefreiheit profitieren. Wichtig dabei ist, dass die Angebote niemals für, sondern immer gemeinsam mit der jeweiligen Zielgruppe (etwa dem Blinden-und Sehbehinderten Verband oder dem Verband der Gehörlosenvereine im Land Salzburg) erarbeitet und umgesetzt werden. Aus diesem Netzwerk heraus gibt es ebenfalls Videos in österreichischer Gebärdensprache, welche Interessierte herzlich auf einen Besuch in die Neue Residenz einladen. In Arbeit sind derzeit noch Gebärdensprachvideos auf Tablets, die durch die Dauerausstellungen des Salzburg Museums führen werden und so neben den bereits angebotenen Führungen in Gebärdensprache der Gruppe der Gehörlosen eine größere Spontanität und Flexibilität für einen Besuch im Museum ermöglichen.

Die Führungen in Gebärdensprache, in „Leichter Sprache“ als auch das Angebot an Führungen für Blinde und Sehbehinderte Menschen werden ca. alle 3 bis 4 Monate angeboten, auf Anfrage jederzeit.
Das Salzburg Museum bietet zusätzlich Braille-Guides und Induktionsschleifen für den Audioguide an, um ihn mit Hörapparaten zu verbinden. Diese Angebote werden der Erfahrung nach nur selten in Anspruch genommen. Blinde und sehbeeinträchtigte Menschen sowie gehörlose bevorzugen persönliche Führungen mit viel Material zum Ertasten, Riechen und Schmecken.

Auch der umgekehrte Weg der Inklusion ist in der Neuen Residenz ein Thema. Zur Veranstaltung zum „Tag des weißen Stockes 2014“ konzipierte man mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband ein eigenes Programm unter dem Motto „Bitte berühren“: Sehende hatten die Möglichkeit mit Dunkelbrille und Langstock die Ausstellung mit Hilfe von Blinden und seheingeschränkten Personen zu erkunden. Die große mediale Resonanz zeigte, dass inklusive Kulturvermittlung immer stärker von der Gesellschaft angenommen wird.

Im Juli wurde das Salzburg Museum mit dem Inklusionspreis 2014 ausgezeichnet, eine Ehrung die das Team des Museums in ihrem Vorhaben weiterhin bestärkt.

Tamara Huf, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos: Salzburg Museum

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