Erstellt am 7. Februar 2016

Asylsuchende im Museum

Gemeinsam mit der Flüchtlingskoordination der Tiroler Soziale Dienste gemeinnützige GesmbH haben die Tiroler Landesmuseen ein Programm für Asylsuchende entwickelt, das über die sprachlichen Grenzen hinweg einen Kulturaustausch zwischen flüchtenden Menschen und Tiroler/innen ermöglicht. Die Asylwerbenden erhalten Einblick in die Kultur und Geschichte des Landes Tirol, entdecken Anknüpfungspunkte, Ähnlichkeiten bzw. Gegensätze zu ihrer eigenen Kultur und Sozialisierung.

Museumsbesuch in Kleingruppen

Die Asylwerber/innen kommen in einer Kleingruppe von max. fünfzehn Personen ins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Der Besuch wird durch die Deutschtrainer/innen bzw. die Leitung in den Flüchtlingsheimen angeregt, vorbereitet und in Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen organisiert. Die Anreise erfolgt in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Gruppe wird von der Deutschtrainerin bzw. dem Deutschtrainer begleitet.

Anknüpfungspunkte für Asylsuchende schaffen

Im Ferdinandeum werden die Asylwerber/innen von zwei Kulturvermittlerinnen der Tiroler Landesmuseen in Empfang genommen. Entsprechend der Interessensgebiete der Teilnehmer/innen führen die Mitarbeiterinnen der Besucher- Kommunikation die Gruppe durchs Museum. Wichtig ist, dass die Flüchtlinge aktiv mitarbeiten und mit Ausstellungsobjekten in Dialog treten können. Das geschieht auf unterschiedliche Weise. Die kreative Bildbetrachtung wird zum Beispiel durch Musizieren vor Exponaten angeregt. Sprachbarrieren werden so reduziert. Die Kulturvermittlerinnen gehen anhand der Schaustücke auf Themen wie Religion, Gesellschaft und den menschlichen Körper ein. Sie fordern die TeilnehmerInnen auf, über die Kultur und Geschichte ihres Heimatlandes zu berichten bzw. knüpfen an deren Kultur und Religion an.

Kreative Arbeit im Atelier

Der Höhepunkt des Programms ist die kreative Arbeit im Atelier. Mit langen Pinseln und Farbe kreieren die Teilnehmer/innen gemeinsam zu Musik ein großformatiges Bild. Sie können bei dieser Arbeit ihren Gefühlen Ausdruck verleihen und Herausforderungen im neuen Alltag ansprechen. Die so entstandenen Werke sind oft sehr berührend, die TeilnehmerInnen glücklich. Durch das Programm können die flüchtenden Menschen persönliche, positive Erfahrungen im ihnen fremden Land machen, Kontakte knüpfen und im Museum spüren, dass sie willkommen sind.
„Durch die Arbeit in einer Kleingruppe können wir am besten auf die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen eingehen. Die Reaktionen sind sehr positiv, die Warteliste lang. Wir freuen uns, dass wir jetzt auch aus Osttirol die erste Gruppe begrüßen konnten“, hält Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen, fest.

Das Museum fungiert beim Projekt „Asyl im Museum“ als Brücke zwischen dem Kulturraum der Asylwerber/innen und dem Kulturraum Tirol. Das Programm möchte die TeilnehmerInnen auch dazu anregen, sich aktiv am kulturellen Leben Tirols zu beteiligen. Mit dem Kulturpass Tirol, den alle Asylwerbenden beziehen können, kommen sie kostenlos in rund 50 Kultureinrichtungen. Ein Nebeneffekt von „Asyl im Museum“ ist die Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse. Der Besuch im Museum dauert drei Stunden. Sind Kinder in der Gruppe, wird das Programm in 1,5 Stunden durchgeführt. Bislang haben AsylwerberInnen aus fünf Bezirken, respektive aus den Flüchtlingsheimen Zirl, Reichenau, Reith bei Seefeld, Schwaz, Telfs, Leutasch, Mentlberg, Götzens, Gries am Brenner, Mühlbachl, Weerberg, Dölsach und Landeck teilgenommen. Bis zum Ende des Jahres werden in zehn weiteren Terminen Asylsuchende aus allen Bezirken Tirols das Ferdinandeum besuchen.

Sigrid Wilhelm
Tiroler Landesmuseen, Innsbruck

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