Erstellt am 4. Januar 2016

Damit Zweidimensionales keine Flachware bleibt

Das Gemälde an der Wand und das Dokument in der Vitrine sind nur für Menschen mit ausreichendem Sehvermögen wahrnehmbar und selbst diese erhalten so nicht alle wichtigen Informationen. Um zweidimensionale Objekte erfahrbar und verständlich machen zu können, ist Les- und Hörbares zu wenig.

Geschriebenes und Gedrucktes

Historische Schriftstücke in Braille oder erhabener Schwarzschrift anzubieten, sollte nicht das primäre Vermittlungsziel bleiben; denn der Inhalt ist nur Teil des Ganzen. Illuminierte Handschriften auf Pergament, Druckwerke mit ihren typischen Papierqualitäten und Bindungen, Dokumente mit Unterschriften und Siegeln sind nur einige Beispiele zeittypischer Formen von privater und öffentlicher Kommunikation, die es gilt, umfassend zu vermitteln.
Passende Materialien (Papiersorten, Pergament) und Kopien (Siegel) zum Angreifen ergänzen den Inhalt ebenso wie die tastbare Schrifttypen (Fraktur) oder vergrößerte Hand-/Unterschriften.
In Zeiten der E-Kommunikation macht erst Begreifbares verständlich, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch durch Material und Ausführung kommunizierte. Hoch- bzw. Minderwertiges sagt viel über die handelnden Personen, ihre Absichten und ihre Zielgruppe aus.

Gemälde, Grafik und Fotografie

Bildinformationen lassen sich nicht einfach auf erhabene Linien, die einen groben Umriss bieten, reduzieren. Perspektive, Platzierung und Ausführung der div. Informationen muss in „Nichtvisuell übersetzt“ werden. Zusätzlich gilt es für den Inhalt wichtige visuelle Informationen (u. a. Farbe, Licht, Schatten) nachvollziehbar anzubieten.

Von der Flachware zur runden Sache

Relieffolien helfen, Flachware dreidimensional erfahrbar zu machen. Die taktilen Linien ermöglichen das Verfolgen der einzelnen Bilddetails und ihre unterschiedlichen Stärken und Höhen helfen Tiefenräumlichkeit zu erfassen. Für ein optimales Ergebnis ist die Zusammenarbeit mit Spezialistinnen und Spezialisten sowie einer Focusgroup Voraussetzung. Das Endergebnis kann sich nicht nur tasten, sondern auch sehen lassen. Ein Zugewinn für alle.

Fazit

Text ist mehr als das geschriebene Wort und Bild mehr als eine optische Reproduktion. Beides spricht nicht nur den Sehsinn an und kann mehr als nur les- und hörbar gemacht werden.

Hartmut Reese, Sigrid Strohschneider-Laue & Doris Prenn, prenn_punkt. buero fuer kommunikation & Gestaltung


Foto: Die Dauerausstellung auf Schloss Hartheim zeigt zahllose taktile Bilder und ist beinahe durchgehend in Braille lesbar.

TeilenTweet about this on TwitterEmail to someoneShare on Facebook