Erstellt am 27. September 2015

Mit allen Sinnen erlebbar: Stift Klosterneuburg

900 Jahre gibt es das Stift Klosterneuburg nur wenige Kilometer nördlich von Wien bereits und es vereint heute Glaube, Wein und Kultur für alle Interessierten. Die weiten Raumdimensionen des Barock, die rhythmische Architektur des mittelalterlichen Kreuzgangs, das besondere Klima und der Geruch des Weinkellers sind mit allen Sinnen erlebbar.

Der Besuch des geschichtsträchtigen Gebäudekomplexes beginnt in der Sala terrena, dem Gartensaal, der nicht nur für gehbeeinträchtigte Personen mit dem Aufzug leicht erreichbar ist, sondern auch für Blindenführerhunde zugänglich geöffnet ist.
Das Stift bietet täglich ein großes Programm an sehenswerten Thementouren an. Am Gang zur Schatzkammer-Tour befindet sich bereits die erste interaktive Erlebnisstation – der Materialitätensekretär. Hier ertasten die großen und kleinen Besucher/innen die einzigartigen Kostbarkeiten der Schatzkammer. Die verschiedenen Materialqualitäten der Stücke der Sammlung können an originalgetreuen Nachbildungen ertastet werden und sind durch Braille-Texte ergänzt und somit einem sehr breiten Publikum zugänglich. Dieser inklusive Ansatz ist für das Team des Kulturzweiges des Stiftes ein wesentlicher Punkt in der Vermittlungsarbeit.

Betritt man schließlich die Schatzkammer und lauscht der Information des Audioguides, so können Besucher/innen zwischen unterschiedlichen Tonspuren wählen. Es besteht nämlich die Möglichkeit eine extra für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen entwickelte Tour zu starten, deren präzise Beschreibungen der Räumlichkeiten und Kunstwerke ein Bild in der Vorstellung entstehen lässt. Außerdem gibt es speziell ausgearbeitete Tonspuren für Kinder. Für gehörlose Menschen bietet der um- fangreiche Multimediaguide eine Videospur in österreichischer Gebärdensprache sowohl für die Schatzkammer-Tour, als auch für die Sakrale Tour und die Imperiale Tour. Letztere beiden sind im Rahmen von Führungen über den Tag verteilt für alle Gäste erlebbar.

Zusätzlich bietet das Stift Klosterneuburg speziell für blinde und sehbehinderte Menschen aber auch für sehende Menschen Tastführungen an, unter dem Motto „Geschichte und Geschichten zum Greifen nah“. Zum „Begreifen“ findet sich im ganzen Stift so einiges: Die Besucher/innen können glatten Marmor und gemeißelten Sandstein, kunstvolle Holzschnitzereien und Schmiedeeisenarbeiten sowie ornamentale Glasfenster mit bloßer Hand berühren und spüren. Ergänzend lässt ein transportables Architekturmodell im Maßstab 1:500 die Stiftsanlage im Rahmen dieser Führung dreidimensional begreifen.

Zur Nachbereitung erhält jeder Führungsgast eine Mappe: Das zusammen mit einem blinden Experten ausgearbeitete Set umfasst einen Orientierungsplan der Stiftsanlage und eine Abbildung des Österreichischen Erzherzogshuts in Form eines Tastdiagramms, eine Planlegende sowie einen Abriss der Stiftsgeschichte. Alle Texte sind in Schwarzschrift-Großdruck und in Braille-Schrift eingesetzt. So wird die Orientierung unterstützt und zur Nachbereitung des Kulturausflugs zu Hause angeregt. Diese besondere Themenführung ist mindestens 14 Tage vorab für Gruppen ab fünf Personen buchbar.

Abrunden lässt sich dieses umfangreiche Programm ideal mit einer kommentierten Weinverkostung in der Vinothek des Stiftes.

Tamara Huf, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos: Stift Klosterneuburg

TeilenTweet about this on TwitterEmail to someoneShare on Facebook