Erstellt am 20. August 2015

Fein-gefühlt im Tiroler Volkskunstmuseum

Für alle erfassbar: besondere Führung in der Fisser Stube des Tiroler Volkskunstmuseums

Als Teil der Tiroler Landesmuseen stellt das Volkskunstmuseum in Innsbruck mit seiner Sammlung unter anderem Objekte aus den Bereichen der Tiroler Trachten und Krippen aus. Als Besonderheit werden getäfelte Stuben aus verschiedenen Tiroler Regionen und aus unterschiedlichen Zeitepochen gezeigt.

In einer jener Stuben, nämlich der Fisser Stube, finden seit Oktober 2014 in Kooperation mit dem Blinden- und Sehbehinderten Verband Tirol (BSVT) eine besondere Führung mit dem entsprechenden Titel „Fein-gefühlt“ statt.

Bis zu zehn Teilnehmer/innen – Blinde, Sehbehinderte aber auch sehende Menschen – finden in der Stube Platz und können sich vollkommen auf ihren Hör-, Tast- und Geruchssinn einlassen. Der Geruch der Stube, das Knarren des Holzes, das Berühren der getäfelten Wände und die kühlen Scheiben lassen die Besucher/innen in die historische Welt der Tiroler Stube eintauchen. Alltägliche Gegenstände wie Hornlöffel, Buttermodel oder Trachtenhut werden anschließend von Hand zu Hand um den urigen Stubentisch gereicht und die Kulturvermittlerin beschreibt die ertasteten Gegenstände und deren Muster. Sie erzählt von Themen wie Wohnen, Essen, Religion und Arbeit in Tirol in vergangenen Zeiten.

Die Führung soll mit ihrem Erlebniswert im Rahmen der Inklusion alle Zielgruppen ansprechen. Sehende Besucher/innen werden daher mit Simulationsbrille und Blindenstock ausgerüstet, um die Umgebung neu wahrnehmen zu können. Abgesehen von der Möglichkeit die Fisser Stube und die ausgewählten Objekte mit allen Sinnen neu zu erfahren, liegt die Besonderheit darin, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung bei „Fein-gefühlt“ als Gruppe zusammenwachsen können.
Die angebotene Führung findet in etwa im zweimonatigen Rhythmus oder auf Anfrage statt. Sie wird zusätzlich durch den Kontakt mit dem Blinden- und Sehbehinderten Verband Tirol (BSVT) beworben, der Impulsgeber für diese Führung war, die auf großes Interesse stößt.

In der „Langen Nacht der Museen“ im Oktober 2015 wird das Angebot des Tiroler Volkskunstmuseums zur Inklusion wieder erweitert. Es wird erstmals eine Führung mit Simultandolmetsch für Gehörlose und Hörende geben.

Tamara Huf, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos: TLM, re: Michael Berger (Experte Barrierefreiheit BSVT), Julia Brugger (ÖA BSVT), Angelika Schafferer (TLM) (vlnr)

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