Wikidata ist für alle (Museen) offen

Die Familie der unterschiedlichen Wikimedia-Projekte, allen voran Wikipedia oder Wikimedia Commons – das zentrale Medienrepositorium des „Wiki*Versums“ – nehmen in der gegenwärtigen freien Wissensvermittlung und Wissensproduktion einen nicht mehr weg zu denkenden Stellenwert ein.

Neben vielen weiteren Projekten wie beispielsweise Wikisource als Volltextarchiv oder Wikiversity als Plattform für Open Educational Ressources etabliert sich der 2012 gegründete Knowledgegraph Wikidata gerade im Bereich der GLAM-Institutionen (Galleries, Libraries, Archives and Museums) als eine der spannendsten, wertvollsten und zukunftsträchtigsten Andockstellen zum gegenseitigen Austausch und zur Anreicherung von Wissen und Materialien.

Wikidata ist eine zentrale, multilinguale und verlinkte (Graph-)Datenbank, die gemäß der Wiki-Prinzipien offen für alle zur Editierung und zur Nutzung der darin gespeicherten Daten ist. Die Offenheit der Bearbeitung dieser unter einer CC0-Lizenz stehenden Datenbank betrifft sowohl die Dateninhalte als auch die Struktur.

Wie kann Wikidata nun im Museumsalltag eingesetzt werden?

Ein erster Einstiegspunkt, um die Arbeit und Wirkungsweise von Wikidata kennenzulernen, bietet bspw. die Suche nach der eigenen Institution. Ist der Eintrag bereits vorhanden, so sind vielleicht verschiedene weitere Informationen zu ergänzen (Adresse, Website, Gründungszeit, mehrsprachige Beschreibung der Institutionen, Verweise auf Normdateien etc.) oder ein Eintrag über ein neues Museum ist anzulegen. Das anonyme Editieren ist in Wikidata grundsätzlich möglich, mit einem User-Account ist allerdings einerseits die eigene Bearbeitungshistorie nachvollziehbar und vor allem die Kommunikation mit der Community wird dadurch erst überhaupt sinnvoll ermöglicht.

Welchen Mehrwert bietet nun ein Wikidata-Item eines Museums? Die strukturiert erfassten Daten zu Institutionen finden bspw. in der Google Suche besonderen Eingang. Die bei Suchergebnissen oft rechts eingeblendeten Kurzinformationen speisen sich zu einem großen Teil aus Wikidata. Neben der erhöhten Online-Sichtbarkeit entsteht mit Wikidata auch ein frei editierbares globales Register der Gedächtnisinstitutionen. Die Flexibililtät des Datenmodells erlaubt hier auch eine schnelle Anpassung an individuelle Bedürfnisse, bspw. die Erfassung neuer Kommunikationskanäle (Social Media) oder der Verlinkung mit lokalen Datenbanken (bspw. Museumsbund und Museumsgütesiegel).

Für die Bestandsarbeit kann Wikidata als Normdaten-Hub zu Vernetzung unterschiedlicher im Museumsbereich gebräuchlicher Normdateien und Klassifikationsschemata eingesetzt werden. Darüber hinaus erlaubt das Wiki*versum Bestandsnachweise unmittelbar zu vernetzen. Viele Museen nutzen bereits die Möglichkeit Fotografien oder Scans der eigenen Sammlungsobjekte in Wikimedia Commons unter einer freien Lizenz dem interessierten Publikum, der Wiki*Community oder der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen.
Mit dem Wissensgraph von Wikidata können diese Bestände strukturiert beschrieben und letztlich auch abgefragt werden.

Das Wiki*versum bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten für Gedächtnisinstitutionen die eigene Bestände einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen bzw. in neuen Zusammenhängen zu erschließen und erfahrbar zu machen.

Christian Erlinger, Büchereien Wien

Datum

Erstellt am 29. August 2020

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