Mythos Glas: Überblick der verschiedenen Glassorten

Die Techniken zur Glasherstellung sind schon sehr alt und reichen bis in die Antike zurück. Zuerst wurde natürlich vorkommendes Glas verarbeitet. Schon um 1450 v. Chr. Glas aus  Quarzgestein, Pflanzenasche geschmolzen. Heutzutage sind Gläser, mitsamt ihrer Veredelung echte Hightech-Produkte. Auch bei der Verglasung von Bildern gewinnt hochwertiges, interferenzoptisch entspiegeltes Glas – auch Museumsglas genannt – immer stärker an Bedeutung.

Warum Glas?

Das Glas spielt bei der Einrahmung eine bedeutende Rolle: es trennt sozusagen das Bild vom Umfeld und dem Betrachter. Die Aufgaben eines Bilderglases sind vielfältig und reichen vom Schutz vor Staub und Berührung bis zum UV-Schutz für das Bild. Gleichzeitig sorgt es im besten Fall für einen ungetrübten Blick auf das Bild und soll bei der Betrachtung am liebsten unsichtbar bleiben.

Gerade im musealen Bereich bietet hochwertiges Glas einen unverzichtbaren Schutz für gerahmte Papierarbeiten. Es schützt vor physischen und chemischen Schäden durch Handling und Berührungen, Vandalismus und Diebstahl, UV-Strahlung, Staub, Schmutz, Schadstoffen, Rauch oder Wasser. Dabei soll es gleichzeitig möglichst unsichtbar sein.

Doch Glas ist nicht gleich Glas. Der Markt bietet eine fast unüberschaubare Vielzahl verschiedenster Gläser mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen. Wir wollen den Dschungel etwas lichten und Ihnen einen klaren Durchblick verschaffen.

Hinter den verschiedenen Glassorten steckt immer eine bestimmte Glasart in Kombination mit einer Oberfläche. Jedoch gibt es im Markt der Bilderrahmengläser keine festen Bezeichnungen und daher muss sehr genau darauf geachtet werden, welches Glas mit welchen Eigenschaften angeboten wird.

Als Bilderglas sind drei Grundmaterialien (Normalglas, Weißglas und Acrylglas) mit jeweils drei verschiedenen Oberflächen (glänzend, matt, entspiegelt) gebräuchlich.

 

Glasarten:

Normalglas, auch Floatglas, Spiegelglas oder Fensterglas genannt, steht für ein im Floatverfahren hergestelltes Flachglas. Dieses günstige Glas hat durch seinen Eisenanteil einen geringen Grünstich, der zur leichten Farbverfälschung der gerahmten Werke führt.

Hochwertiger ist das Weißglas, auch unter Water white glass oder Klarglas bekannt. Im Prinzip handelt es sich hier auch um ein Floatglas, da es auch im Floatverfahren hergestellt wird, allerdings ist die Materialzusammensetzung eine andere. Durch einen geringeren Anteil an  Eisenoxid im Glas ist das Glas wesentlich farbneutraler und eignet sich damit besser für die farbechte Präsentation von Bildern.

Neben echten Gläsern kommt bei der Einrahmung auch oft Acrylglas (oder technisch: Polymethylmethacrylat) zum Einsatz. Die bekannteste Marke ist PLEXIGLAS®, die oft als Synonym für Acrylgläser im Allgemeinen verwendet wird. Auch wenn es sich bei Acrylglas um einen Kunststoff handelt, sind die umgangssprachlichen „Kunststoffgläser“ oft aus dünneren geringwertigen Materialien.

 

Oberflächen:

Die Oberfläche verleiht den Gläsern erst ihre spezifischen, für die Einrahmung relevanten Eigenschaften. Fast alle Glassorten gibt es mit den verschiedenen Oberflächen.

Wenn keine Oberfläche benannt ist, handelt es sich meist um glänzendes Glas. Glänzende Gläser haben eine glatte, glänzende Oberfläche. Ein glänzendes Glas ist der günstige Standard in Sachen Bilderglas. Es zeigt eine perfekte Konturschärfe und ist reich an Kontrasten – aber: bedingt durch die glatte und glänzende Oberfläche des Glases spiegelt sich das räumliche Umfeld bei der Betrachtung des Bildes stark in der Glasscheibe und die Freude am Bild wird empfindlich gestört..

Möchte man die Reflexionen im Glas reduzieren, wird umgangssprachlich häufig von „entspiegeltem“ Glas gesprochen. Gemeint ist oftmals ein Bilderglas mit mattierter, leicht strukturierter Glasoberfläche. Genau genommen unterscheidet man zwei Varianten von „Antireflex-Gläsern“:

  • Mattes Glas: „Antireflex“, „Non-glare“ oder fälschlicherweise auch „entspiegeltes“ Glas genannt. Bei einseitig mattiertem Glas wird die Glasoberfläche üblicherweise auf nur einer Seite, mittels einer Ätzung aufgeraut. Das Licht wird durch die ungleichmäßige Glasoberfläche gebrochen und die Glasoberfläche erscheint nicht mehr glänzend, sondern matt. Im Ergebnis lässt sich das Bild blendfrei betrachten, da Spiegelungen zwar vorhanden sind, aber diffus gestreut werden. Weitere Effekte dabei: die Leuchtkraft der Farben, oder beispielsweise glänzende Stellen in Bild oder Papier, gehen so in gewissem Maße verloren. Da sich der Effekt mit steigendem Abstand zwischen Glas und Bildoberfläche verstärkt, müssen sich mattierte Gläser sehr nah an der Bildoberfläche befinden. Ein 3 mm Passepartout ist die Obergrenze.
  • Interferenzoptisch entspiegeltes Glas oder umgangssprachlich Museumsglas: Anders ist der Effekt bei echt entspiegelten Gläsern, korrekt als „Interferenzoptisch entspiegeltes Glas“ oder umgangssprachlich als „Museumsglas“ bezeichnet. Eine unsichtbare, nur wenige µm starke Beschichtung aus Metalloxiden verhindert Spiegelungen durch den physikalischen Effekt der destruktiven Interferenz von Lichtwellen. Ähnlich wie bei einem Brillenglas bleibt die Glasoberfläche glatt und Reflexionen werden durch die Beschichtung auf weniger als 1 % reduziert. Das Glas ist vollkommen transparent und das Bild bleibt originalgetreu zu betrachten, ohne jede Beeinträchtigung. „Entspiegelte“ Gläser sind die optimale Lösung für ungetrübten Kunstgenuss und erfüllen auch höchste Ansprüche von Museen in aller Welt. Leider werden häufig mattierte Gläser fälschlicherweise als entspiegelte Gläser bezeichnet.
  • Herkömmliches Floatglas reflektiert ca. 8 % des einfallenden Lichts à Ergebnis daraus sind unerwünschte Reflexionen

Die verschiedenen Glassorten  ergeben sich aus der Glasart des Grundmaterials in Kombination mit einer Oberfläche. Dadurch gibt es eine Vielzahl verschiedener Glasorten. Hinzu kommen verschiedene Veredelungen wie kratzfeste Oberflächen, erhöhter UV Schutz oder Wärmebehandlung zum Sicherheitsglas. Durch die verschiedenen Sorten einzelner Hersteller und die eigenen Bezeichnungen verschiedener Händler gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Gläsern. HALBE-Rahmen bietet z. B. folgende Gläser an:

Glasart Normalglas:

  • Normalglas glänzend
  • Normalglas matt/glänzend (eine Seite matt, eine Seite glänzend)
  • Einscheibensicherheitsglas glänzend
  • Einscheibensicherheitsglas matt/glänzend (eine Seite matt, eine Seite glänzend)

Glasart Weißglas:

  • Weißglas glänzend
  • Weißglas matt/glänzend
  • SCHOTT MIROGARD® (interferenzoptisch entspiegeltes Weißglas)
  • SCHOTT MIROGARD® Plus (interferenzoptisch entspiegeltes Weißglas mit erhöhtem UV Schutz)
  • SCHOTT MIROGARD® Protect (Zweischeibensicherheitsglas aus interferenzoptisch entspiegelten Weißgläsern mit maximalem UV Schutz)

Glasart Acrylglas:

  • PLEXIGLAS® (Acrylglas) glänzend mit maximalem UV Schutz
  • PLEXIGLAS® (Acrylglas) glänzend und einseitig kratzfest mit maximalem UV Schutz
  • PLEXIGLAS® (Acrylglas) matt/glänzend mit maximalem UV Schutz
  • Tru Vue Optium Museum Acrylic® (interferenzoptisch entspiegeltes Acrylglas, beidseitig kratzfest und antistatisch mit maximalem UV Schutz)

Es gibt nicht DAS perfekte Glas, da jedes seine spezifischen Vor- und Nachteile hat, die abgewogen werden müssen. Die Kunst ist, für die verschiedenen Anwendungsfälle das ideale Glas auszuwählen. Diese Artikelserie soll Ihnen das nötige Hintergrundwissen liefern, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Einen Eindruck von den unterschiedlichen Oberflächen bekommen Sie in dem Vergleichsvideo von HALBE Rahmen:  Wer als Anwender im Museum Originalgläser in der Hand halten möchte, kann bei HALBE-Rahmen in Kooperation mit SCHOTT und Tru Vue kostenlose Muster anfordern.

David Halbe, Geschäftsführer, HALBE-Rahmen

Datum

Erstellt am 12. August 2020

Credits und weitere Informationen

Den mit Grafiken und Bildern bereicherten Text können Sie hier downloaden.