MYTHOS GLAS

Besucher möchten das Kunstwerk sehen und nicht ihr Spiegelbild

Haben Sie dies schon mal beobachtet? Ein Besucher steht vor einem Werk und bewegt den Kopf von links nach rechts? Der Grund: Spiegelungen im Glas, denn Glas als Trennung zwischen Bild und Betrachter hat einen großen Einfluss auf die Wirkung eines Bildes.

Warum überhaupt Glas?

Viele Künstler würden am liebsten auf Glas verzichten, um den direkten Blick auf ihr Werk zu gewährleisten. Doch gerade im musealen Bereich bietet hochwertiges Glas einen unverzichtbaren Schutz, beispielsweise vor Berührungen, Vandalismus, UV-Strahlung oder Staub. Gleichzeitig soll es bei der Betrachtung am liebsten unsichtbar bleiben. Den Spagat schafft interferenzoptisch entspiegeltes Glas oder auch Museumsglas genannt.

Der fast unüberschaubare Markt an verschiedenen Gläsern macht es nicht einfach, das richtige Glas auszuwählen, um Ihren Besuchern den möglichst ungetrübten Blick zu bieten. Hinter den verschiedenen Glassorten steckt immer eine bestimmte Glasart in Kombination mit einer Oberfläche. Als Bilderglas sind drei Grundmaterialien (Normalglas, Weißglas und Acrylglas) mit jeweils drei verschiedenen Oberflächen (glänzend, matt, entspiegelt) gebräuchlich.

Glasarten:

  • Normalglas: Dieses günstige Glas hat durch seinen Eisenanteil einen geringen Grünstich, der zur leichten Farbverfälschung der gerahmten Werke führt.
  • Weißglas: Dieses Glas hat einen geringeren Anteil an Eisenoxid und ist dadurch wesentlich farbneutraler und eignet sich damit besser für die farbechte Präsentation von Bildern.
  • Acrylglas: Neben echten Gläsern kommt bei der Einrahmung oft „Acrylglas“ zum Einsatz. Die bekannteste Marke ist PLEXIGLAS®.

Oberflächen: 

Die Oberfläche verleiht den Gläsern erst ihre spezifischen Eigenschaften. Glänzende Gläser haben eine glatte, glänzende Oberfläche. Es ist der günstige Standard, zeigt perfekte Konturschärfe und ist reich an Kontrasten – aber: das räumliche Umfeld spiegelt sich bei der Betrachtung des Bildes stark in der Glasscheibe.

Mattes Glas: Bei einseitig mattiertem Glas wird die Glasoberfläche üblicherweise auf nur einer Seite aufgeraut. Das Licht wird durch die ungleichmäßige Glasoberfläche gebrochen und erscheint matt. Im Ergebnis lässt sich das Bild blendfrei betrachten – aber: die Leuchtkraft der Farben geht verloren. Da sich der Effekt mit steigendem Abstand zwischen Glas und Bildoberfläche verstärkt, müssen sich mattierte Gläser sehr nah an der Bildoberfläche befinden.

Interferenzoptisch entspiegeltes Glas: Ähnlich wie bei einem Brillenglas bleibt die Glasoberfläche glatt und Reflexionen werden durch eine spezielle Beschichtung auf weniger als 1 % reduziert. Das Glas ist vollkommen transparent und das Bild bleibt originalgetreu zu betrachten. „Entspiegelte“ Gläser sind die optimale Lösung für ungetrübten Kunstgenuss.

>>> weiterlesen Überblick der verschiedenen Glassorten

>>> weiterlesen Das Museumsglas

Unsichtbares Glas durch ideale Beleuchtung

Eine interferenzoptische Entspiegelung reduziert Reflexion um über 99 %. Wie stark die Restreflexion wahrnehmbar ist, hängt von Lichtstärke und Einstrahlungswinkel ab. Eine schwache, diffuse Beleuchtung mit geringem Lichtspektrum und im spitzen Winkel zur Glasoberfläche lassen Restreflexion verschwinden. Das Glas ist nicht mehr wahrnehmbar und ermöglicht einen ungestörten Blick auf das Bild. Direkt gegenüber von Fenstern sind entspiegelte Gläser nur bedingt geeignet, da hier die Restreflexionen wahrnehmbar sind. Hier wirken mattierte Gläser am angenehmsten.

Voraussetzung ist natürlich, dass das Werk nicht selbst spiegelt. Bei hochglänzenden Fotopapieren wird die Papieroberfläche auch hinter Glas spiegeln. Besser sind dann mattiere Gläser oder direkt matte Papiere.

Reinigung

Entspiegelte Gläser erfordern bei der Reinigung etwas mehr Sorgfalt. Am besten ist, Verschmutzung möglichst zu vermeiden. Leichte Verschmutzungen lassen sich am einfachsten mit einem trockenen, weichen Tuch entfernen. Normale Verschmutzungen lassen sich mit einem sauberen Tuch mit – idealerweise destilliertem – Wasser entfernen.

Empfehlenswert ist, die Scheiben danach trocken zu wischen. Die verwendeten Tücher sollten fusselfrei sein. Starke alkalische Waschlaugen, Säuren oder mechanische Reinigungsmittel dürfen nicht verwendet werden.

Es gibt kein perfektes Glas

Am Ende stellt sich die Frage: welches Glas ist das richtige für mich. Es gibt kein perfektes Glas, denn jedes hat seine Vor- und Nachteile. Die Kunst ist, das zur Anwendung passende Glas zu wählen, das auch zum Budget passt. Dazu muss man sich über seine Anforderungen an Bildwiedergabe, UV-Schutz, Bruchfestigkeit gewiss sein.

Möchten Sie Ihren Besuchern den ungestörten Blick auf die Bilder bieten, sind interferenzoptisch entspiegelte Gläser die klare Empfehlung. Gerade Kunstliebhaber kennen die Wirkung von entspiegelten Gläsern und erwarten in Ausstellungen reflexionsfreien Kunstgenuss. Die Gläser sind auch günstiger, als man denkt. In mittleren Formaten fallen nur Mehrkosten von rund 40 € gegenüber einem Normalglas an. Was im Gesamtkostenblock einer Ausstellung nur ein kleiner Faktor ist. Dafür sind auch keine komplett neuen Rahmen notwendig. Bei vielen Rahmen und bei allen HALBE-Magnetrahmen lassen sich Gläser austauschen. Das reduziert die Modernisierungskosten deutlich. Eine gute Gelegenheit dafür ist z. B. ein  Ausstellungswechsel.

Weitere ausführliche Informationen und kostenfreie Muster erhalten Sie bei HALBE-Rahmen.

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David Halbe, Geschäftsführer, HALBE-Rahmen

Datum

Erstellt am 12. August 2020

Credits und weitere Informationen

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