Mapping der digitalen Reaktionen von Museen während des Corona Lockdowns

Seit Anfang März 2020 beobachten wir das breite Spektrum der digitalen Aktivitäten, die von Museen weltweit während des Corona Lockdowns angeboten werden. 90 % aller Museen weltweit (UNESCO 2020) mussten ihre Türen vorübergehen schließen. Die Statistik zeigt, dass Museen ihre digitalen Aktivitäten um 15 % gesteigert haben (ICOM 2020). Jedoch ist anzumerken, dass die Adoption digitaler Technologien nicht gleichmäßig über die ganze Welt verteilt ist (nur 5 % der Museen in den Entwicklungsländern waren dazu in der Lage). Für uns war in den letzten Monaten, die Erforschung, Förderung und gemeinsame Nutzung von Online-Museumsressourcen eine willkommene Ablenkung von den täglichen Nachrichtenschlagzeilen.

Museen haben Ressourcen sowohl wiederverwendet als auch neu geschaffen, indem sie unterschiedliche Sichtweisen und Formen der Auseinandersetzung mit Sammlungen und ihren Geschichten gefördert haben. Unter der Vielzahl von Aktivitäten ist für jede/n etwas dabei, angefangen mit pädagogischen und unterhaltsamen Aktivitäten für Kinder, Anleitungen für kreative DIYProjekte, über Streaming von Kuratorinnen-/Kuratoren-Gesprächen bis hin zu Challenges im Bereich der sozialen Medien.

Darüber hinaus gibt es in vielen Ländern eine beeindruckende Welle zeitgenössischer Sammelprojekte, welche sich auf das Sammeln physischer und Born-digital-Objekten konzentrieren, darunter auch Österreich. Wo uns zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels 16 verschiedene Institutionen bekannt sind, die Fotos, Objekte, Webseiten und Tagebücher über die Pandemie sammeln. Beispielsweise sammelt das Graz Museum heute für morgen und das Wien Museum sammelt damit kommende Generationen wissen, was die Corona-Krise für Wien bedeutet hat. In einem Zeitungsartikel kündigt Museums Direktor Bunzl an: „Objekte davon werden auch in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein“ (Der Standard 2020). In diesem Zusammenhang wird es interessant zu verfolgen sein, wie diese Inhalte in Zukunft katalogisiert, verwaltet und kuratiert werden.

Es gibt einige Internetportale, welche die Situation von Museen während der Pandemie dokumentieren, beispielweise NEMO. In ähnlicher Weise haben Zeitungen, Blogs und professionelle Mailinglisten verschiedene Aspekte des Übergangs zum „Digitalen“ in Museen aufgezeigt und diskutiert. Wir haben auch begonnen, Daten zu digitalen Aktivitäten von Museen während der Corona Pandemie zu sammeln und möchten unsere Erkenntnisse und Daten mit der Gemeinschaft teilen. Um die von uns gesammelten Datensätze der Online-Initiativen von Museen und einiger Social-Media-Posts zu visualisieren, hat Chiara Zuanni eine interaktive Karte entwickelt, welche unter diesem Link verfügbar ist.

Der Datensatz wurde mit Hilfe von Sabrina Melcher, einer studentische Mitarbeiterin am ZIM, gesammelt. Ebenso hat sie an der Gestaltung der Webseite mitgewirkt. Im Moment wird statt einer richtigen Datenbank eine Reihe von Google Sheet-Dokumenten verwendet. Dies ermöglicht es uns, über Google-Formulare mehr Informationen über Museumsprojekte zu erhalten und die Twitter-Datensätze direkt in der Karte abzubilden. Mit dieser Lösung konnten wir unsere Datensätze schneller in einer Leaflet-Karte veröffentlichen, zudem haben wir dadurch einen schnelleren und semi-automatisierten Workflow für die Veröffentlichung neuer Informationen. Langfristig hoffen wir, diese kleine Webseite in ein geeignetes Archiv umwandeln zu können – mit einer weiter entwickelten Kategorisierung der Museumsinitiativen.

Im Moment haben wir uns dafür entschieden, unsere Daten in acht verschiedene Kategorien zu sortieren: Sammlung von Gegenständen die im Zusammenhang mit der Pandemie stehen, Aktivitäten auf Sozialen Medien, Streaming-Gespräche, virtuelle Rundgänge (die auf sehr unterschiedliche Weise konzipiert sein könnten), virtuelle Ausstellungen, Spiele, pädagogische Inhalte (unabhängig davon, ob sie sich an Kinder oder im weiteren Sinne an lebenslanges Lernen richten) und Aktivitäten, die in keine dieser Kategorien fallen.

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass Museen durchaus Aktivitäten in mehr als einem Bereich entwickelt haben könnten. Über den Grad der Granularität, mit dem die Aktivitäten einzuordnen sind, haben wir diskutiert und halten diese acht Kategorien für sehr breit gefächert. Sie bieten uns aktuell eine gute Lösung, die gesammelten Daten passend zu kategorisieren. Derzeit fügen wir jedes Museumsprojekt separat hinzu, um eine bessere Markierung und Filterung nach Art der Aktivität zu ermöglichen. Die beliebtesten Social Media-Hashtags enthielten zu viele Datenpunkte, dadurch wurde die Karte verlangsamt und überfüllt. Daher wird derzeit nur die Visualisierung des vor allem im deutschsprachigen Raum verwendeten #ClosedbutActive-Twitter-Datensatzes angezeigt.

Wir sind daran interessiert, die Situation zu verfolgen und diesen speziellen Moment in der Geschichte der digitalen Museen zu dokumentieren. Wir werden die Karte weiter mit Daten ergänzen, und freuen uns auch über weitere Beiträge. Jede/r kann Museumsprojekte hinzufügen, indem man ein kurzes Google Formular ausfüllt.
Wenn Sie die Aktivität ihrer Institution hinzufügen wollen, können Sie dies unter diesem Link machen.
Somit helfen Sie uns, die digitalen Initiativen der Museen in dieser Zeit zu dokumentieren. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Sabrina Melcher und Chiara Zuanni, Universität Graz

Datum

Erstellt am 1. August 2020

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Credits und weitere Informationen

mehr über das Projekt erfahren: Digital responses from locked-down museums

zur Karte der digitalen Initiativen von Museen während der Pandemie

 


Foto: Chiara Zuanni