ZOOM Sammlung: Trickfilme als digitale Museums-Sammlung

Das ZOOM Kindermuseum beherbergt eine spezielle Sammlung: Die stetig wachsende digitale Museumssammlung setzt sich aus Trickfilmen zusammen, die Kinder und Jugendliche seit 2001 bei ihrem Besuch im ZOOM Trickfilmstudio im Rahmen von Workshops mit Hilfe einer speziellen Technik und im Team produzieren. Die jungen Filmproduzentinnen und -produzenten erfinden gemeinsam eine Geschichte, die sie in Form eines Trickfilms umsetzen.
Alle Produktionsschritte werden von den Kindern und Jugendlichen selber gemacht. Begleitet werden sie dabei von Künstlerinnen und Künstlern aus dem ZOOM Team.

Die fertigen Trickfilme werden mit Metadaten versehen und im mp4-Format in einer relationalen Datenbank nach wissenschaftlichen Kriterien digital archiviert. Teile der Sammlung können auf der Museumswebsite öffentlich zugänglich gemacht werden.

Das ZOOM Kindermuseum – Österreichs erstes Hands-on-Museum – wurde aufgrund seiner digitalen Sammlung wiederholt mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet, das die Museumsarbeit in all seinen Facetten würdigt.

Sammlung digital archivieren

Das ZOOM Datenbankarchiv basiert auf einer Opensource-Programmierung, die für die besonderen Anforderungen der ZOOM Sammlung adaptiert wurde. Die im Archiv aufbewahrten Sammlungsobjekte umfassen derzeit mehr als 9.000 etwa 30 Sekunden dauernde Trickfilme, ca. 400 Spezial- und Sound-Produktionen mit einer Spiellänge von rund 2 Minuten und 14 Trickfilme fürs Kino mit einer Länge von rund 40 Minuten. Sämtliche Werke der Sammlung werden mit Metadaten (Titel, Thumbnail, Produktionsdatum, Workshop-Programm, Produzentinnen/Produzenten etc.) versehen, nach Genres und Themen kategorisiert und mit Tagging-Begriffen verschlagwortet.
Damit wird die inhaltliche Lesbarkeit der Sammlung sichergestellt.

Sammlung öffentlich machen

Ein Großteil des Sammlungsbestands ist online auf der Museumswebsite zugänglich. Einerseits ist das intuitive Stöbern in der reichen Trickfilmsammlung in der sog. „Wühlkiste“ möglich, andererseits können Werke gezielt, z. B. nach Titel, Entstehungszeitraum oder Themenbereich gesucht werden. Die 14 Kinofilme werden ebenfalls über die Website gezeigt.

Die Museumsbesucher/innen erhalten im Foyer des Kindermuseums an einer interaktiven Installation einen Einblick in eine kuratierte Schau von besonders sehenswerten Trickfilmen. Außerdem wird eine kleine Trickfilm-Auswahl an Wochenenden im sog. ZOOM Kino im Forum des Museums präsentiert.

Sammlung beforschen

Die im ZOOM Trickfilmstudio von Kindern und Jugendlichen produzierten Werke sind ein interessanter Untersuchungsgegenstand für wissenschaftliche Forschungsvorhaben. In den Trickfilm-Produktionen drücken sich Wünsche, Ängste und Phantasien der Kinder in ästhetisch anspruchsvoller und inhaltlich vielfältiger Form aus. Die Sammlung dokumentiert Themen, Fragestellungen und Bilder, mit denen Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag konfrontiert sind, und stellt einen beeindruckenden Ausschnitt der Kinder- und Jugendkultur dar. Sie ist sowohl aus sozialwissenschaftlicher, als auch aus entwicklungspsychologischer und künstlerischer Sicht spannend.

Digitale Transformation als Hintergrund der ZOOM Sammlung

Die in den letzten Jahrzehnten stattfindende digitale Transformation ist ein tiefgreifender, komplexer kultureller und sozialer Prozess, der auch Einfluss auf Museen nimmt. Die Entstehung und Entwicklung von ZOOM Trickfilmstudio und digitaler ZOOM Sammlung (vormals sog. virtuelle Sammlung) lassen sich vor diesem Hintergrund erklären.
Neben dem gemeinsamen Erzählen von Geschichten und dem Vermitteln von Wissenswertem zum Filmemachen waren im Trickfilmstudio zunächst die Verwendung von neuen Technologien als Handwerkszeug – wie Pinsel und Farbe – für den kreativen Ausdruck und die Schnittstelle von virtueller und realer Welt wesentlich. Die Intention wandelte sich im Lauf der Jahre in Richtung Vermittlung von Fähigkeiten im Bereich der kreativen Mediengestaltung und im Bereich der Medienkompetenz, wobei die beiden zentralen Ziele des Trickfilmstudios erhalten blieben: das Erzählen von Geschichten und das Arbeiten im Team.

Das Verständnis in Bezug auf real und virtuell wandelte sich. Wenn etwas virtuell ist, ist es gedacht, nicht physisch, aber doch wirkungsvoll und bedeutet eher das Gegenteil von physisch und nicht von real. Kinder und Jugendliche produzieren im Hands-on Museum ZOOM mit ihren Händen und mit Hilfe digitaler Technologien reale digitale Trickfilme, die sie zwar nicht haptisch, aber visuell und akustisch wahrnehmen können.

Christiane Thenius, ZOOM Kindermuseum, Wien
c.thenius@kindermuseum.at

Datum

Erstellt am 10. Juni 2020

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Credits und weitere Informationen

Fotos:
ZOOM Kindermuseum