Kompetent digital – Experimentierräume für den digitalen Wandel

Angesichts der Anforderungen des 21. Jahrhunderts sollten Museen auf ihren vorhandenen Stärken aufbauen und gänzlich neue Wege beschreiten. Denn die museale Arbeit erfordert heute andere Arbeits- und Produktionsprozesse als im 20. Jahrhundert. Zeichneten beispielsweise im letzten Jahrhundert Institutionen wie Museen alleinig verantwortlich für die inhaltliche Entwicklung, wird heute von der Öffentlichkeit verstärkt eingefordert, dass Inhalte mit Partnern und Zielgruppen gemeinsam, kollaborativ entwickelt und umgesetzt werden (siehe: Jank, Digitale Transformation und ihre Auswirkungen, 2018).

So sind einerseits die Transformation der Arbeitsorganisation, der Kooperation und der Vernetzung mit Stakeholdern und andererseits die zielgerichtete Autonomie der Mitarbeiter/innen jene Herausforderungen, die es zukünftig in Museen zu bewältigen gilt. Die dafür notwendigen personalen, sozialen und digitalen Kompetenzen sind bei den Museumsschaffenden nur bedingt ausgeprägt, beziehungsweise fehlen diese gänzlich, folglich müssen diese erlernt und in die museale Praxis nachhaltig implementiert werden.

Future Skills – Kompetenzen für eine Kultur der Digitalität

Um die für den digitalen Wandel notwendigen Kompetenzen nachhaltig in Kulturinstitutionen zu implementieren, bedarf es einer Organisationskultur des Lernens, in der Arbeitsumgebungen als aufgeschlossene und erfinderische Orte, als Experimentierräume, verstanden werden, in denen die Mitarbeiter/innen neue Ideen entwickeln und Alternativen erforschen können. „ Schließlich soll der Erwerb von Medienkompetenz und die Implementierung eines neues Denkens etabliert werden, das Hierarchien zwischen analog und digital abzubauen versucht und beide Ebenen konstruktiv miteinander verbindet.“ (siehe: Muchitsch, Das Museum im digitalen Raum, 2019)

Lern- und Innovationskompetenzen

Zur Bewältigung der komplexen Herausforderungen in einer digitalisierten Arbeitswelt werden neben den grundlegenden Lese- und Schreibfähigkeiten auch Kollaboration, Kommunikation, kritisches Denken und Kreativität („4 Ks“) als notwendige Lern- und Innovationskompetenzen beschrieben (siehe: Framework for 21st Century Learning Definitions, 2019). Will man diese innerhalb der eigenen Organisation bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zielorientiert entwickeln, gewinnt die Implementierung agiler Managementansätze in Arbeits- und Organisationsprozesse, wie beispielsweise die Innovations- und Kreativitätsmethode Design Thinking, immer mehr an Bedeutung. Jedoch werden agile Projektmanagement-Prozesse und kreative Projektmethoden (wie Scrum, Kanban, Design Thinking, Personas, Prototyping u. ä.) kaum genutzt. Basierend auf dem 6-stufigen Design-Thinking-Prozess wurde von szenum eigens das Inhouse-Format Change4DigitalCulture. Be Agile Camp zur Förderung und nachhaltigen Kompetenzentwicklung der 4 Ks bei Kulturschaffenden, entwickelt. Anhand aktueller Herausforderungen der Museen wie etwa Publikumsorietierung, Entwicklung innovativer Formate für und Kollaboration mit Stakeholdern können im Rahmen der Camps Formate und Services für das jeweilige Publikum iterativ erprobt werden.

Digitale Kompetenz

Im Kontext der Digitalisierung müssen sich Museumsschaffende befähigen, eine Reihe funktioneller und kritischer Denkfähigkeiten in Bezug auf Information, Medien und Technologie zu entwickeln. Im Umfeld rascher Veränderungen digitaler Technologien müssen Museumsschaffende die in einem noch nie da gewesenen Ausmaß vorhandenen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, zur Schaffung individueller Beiträge, verbunden mit dem Zugang zu einer Fülle an Informationen kritisch-reflexiv für sich und ihre Arbeit nutzbar machen. Angelehnt an die fünf Kompetenzbereiche information and data literacy, communication and collaboration, digital content creation, safety und problem solving des Digital Competence Framework for Citizens DigComp 2.1 (siehe: DigComp 2.1: The Digital Competence Framework for Citizens with eight proficiency levels and examples of use, 2017) ist der Experimentierraum Change4Digital- Culture – Digital Readiness Camp eigens angelehnt an die Bedürfnisse von Museumsschaffenden entwickelt und konzipiert worden, um digitale Technologien in ihre Lern- und Arbeitspraxis zu integrieren. Beginnend mit einem Kompetenzcheck und der Schaffung eines Bewusstseins für den systemischen Ansatz, der für die effektive Nutzung digitaler Technologien erforderlich ist, erproben die Mitarbeiter/innen sowohl digitale Plattformen zur Entwicklung ihrer digitalen Identität und ihres digitalen Wissensmanagements als auch digitale Kollaborationstechnologien zur Förderung ihrer internen/externen Kommunikation und Vernetzung.

Life and Career Skills

Spezifische charakterliche Eigenschaften sind in der heutigen Lebens- und Arbeitswelt wichtig, um mit der dauernd verändernden Umgebung konstruktiv umgehen zu können. In sich schnell verändernden Märkten sorgen Charakterqualitäten wie Ausdauer und Veränderungskompetenz für mehr Widerstandsfähigkeit und Erfolg im Umgang mit Hindernissen. Neugierde und Initiative dienen als Ausgangspunkte für die Entdeckung neuer Konzepte und Ideen. Führung sowie soziales und kulturelles Bewusstsein beinhalten einen konstruktiven Umgang mit anderen Menschen in sozial, ethisch und kulturell angemessener Weise (siehe: World Economic Forum, New Vision for Education. Unlocking the Potential of Technology, 2015).

Genauer gesagt: Für die Entwicklung von Fähigkeiten wie sich dem Wandel anzupassen und flexibel zu sein, Engagement für das selbstgesteuerte Lernen als lebenslangen Prozess zu entwickeln, sich selbst und die eigenen Werte zu kennen, sich dessen bewusst zu sein, wie man auf andere Menschen wirkt und wie diese die eigene Person wahrnehmen, intuitiv zu verstehen, wie man mit anderen Menschen eine Beziehung und Vertrauen aufbauen kann, soziale und interkulturelle Kompetenz zu besitzen und dabei kulturelle Unterschiede zu respektieren, konstruktiv mit Menschen aus verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammenzuarbeiten, um neue Ideen zu schaffen und dadurch sowohl die Innovation als auch die Qualität der Arbeit zu steigern, brauchen Museen Experimentierräume.

Institutionelle Innovationen wie beispielsweise das auf der Flow-Theorie von Mihály Czíkszentmihályi basierende und von szenum entwickelte Kompetenzentwicklungstraining Change4DigitalCulture – Personal Vision Camp unterstützen die Mitarbeiter/innen dabei, ihre Selbststeuerungs- und Veränderungskompetenz zur Entfaltung zu bringen.

Führungskompetenzen in einer digitalen Kultur

Gehen wir des Weiteren davon aus, dass im Kern der digitalen Transformation nicht die Implementierung digitaler Technologien steht, sondern ein neues Verständnis von Führung (siehe: Kühmayer, Beziehungen statt Bytes: Digitale Transformation ist eine Frage der Führung, 2018), dann ist Führungskräfteentwicklung auch für Museen von zentraler Bedeutung. Führungsstile werden wesentlich durch gesellschaftliche und nicht nur durch technische Entwicklungen beeinflusst. Zeitgemäße Führung reflektiert deshalb gesellschaftliche Veränderungen und gibt kontinuierlich Antwort im konkreten Führungsverhalten. Dabei ist eine Abstimmung von Organisationskultur und Führung von hoher Relevanz, denn der Charakter und das Verhalten der Führungskraft haben einen tiefgreifenden Einfluss auf die Kultur innerhalb der Organisation (Groysberg 2018). So gedeiht eine digitale Kultur innerhalb der Organisation nur dann, wenn sie auch überzeugend vorgelebt wird. Darüber hinaus bedarf es in einer hochkomplexen und dynamischen Welt einer ausgeprägten Reflexionsfähigkeit der Führungskraft, um auch in widersprüchlichen Situationen einen Weg zu finden. Führungskräfte stehen heute vor der Herausforderung, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit unterschiedlichen Lebensstilen und Kulturen umzugehen, dies bewusst zu akzeptieren und ihnen die dafür notwendigen Freiräume zu geben, ihre Ressourcen zu identifizieren, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Sie organisieren, intensivieren und führen den Austausch von Wissen, Informationen und Erfahrungen der Mitarbeiter/innen lösungsbezogen zusammen – so wird Führen durch den Diskurs, den Dialog über ein besseres Ergebnis, ersetzt.

Das Trainingsformat New Culture Camp – Participatory Leadership für Führungskräfte schafft organisationale Räume, in denen sinnhafte, gute Gespräche stattfinden können, in denen die Zielsetzung jeder und jedes Einzelnen transparent wird und sich so in der Folge die Potenziale innerhalb der eigenen Organisation besser erschließen lassen. Dabei erproben die Teilnehmer/innen Methoden und Arbeitsweisen aus dem Art of Hosting, um soziales Lernen im Team erfahrbar zu machen, mit der Zielsetzung, verschiedene Persönlichkeiten, Fähigkeiten und Perspektiven so zu bündeln, dass ein neuer, gemeinsamer Führungsstil entstehen kann.

Sabine Jank, Beraterin, Coach und Kreativdirektorin
szenum.Lab for Participation and Digital Transformation

 

Hinweis: Die Camps sind auch online durchführbar. Weitere Informationen und Anmeldungen bei Sabine Jank (jank@szenum.de).

Datum

Erstellt am 5. April 2020

Credits und weitere Informationen

Literaturtipp

Sabine Jank, Digitale Transformation und deren Auswirkungen auf das Museumspersonal, in: Matthias Dreyer und Rolf Wiese (Hrsg.), Erfolg durch Personal. Ansätze und Perspektiven des Personalmanagements in Museen (= Schriften des Freilichtmuseums Kiekeberg), Kiekeberg 2018, S. 131–146.