Erstellt am 21. November 2018

Archive unter freiem Himmel: Aufbau eines Monitoringsystems zur Schädlingsbekämpfung in Freilichtmuseen

Nicht nur im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing und im Salzburger Freilichtmuseum galt und gilt seit der jeweiligen Eröffnung der Museen 1970 bzw. 1984 und der anhaltenden Aufbauarbeiten die Sorge auch immer dem Erhalt der inzwischen da wie dort rund 100 historischen Objekte innerhalb der 65 bzw. 50 Hektar großen Museumsareale.

Ein wesentlicher Aspekt ist in diesem Zusammenhang aufgrund der Beschaffenheit der Exponate die Frage nach wirkungsvollem Holzschutz und Schädlingsbekämpfung.
Beides wurde in der Vergangenheit weder systematisch vorgenommen noch dokumentiert. Offenkundige Schäden trotz der Mehrfachbehandlung durch Xylamon, Borsalz und verschiedene andere flüssige Holzschutzmittel ließen an deren Wirksamkeit zweifeln.

Es wurde daher nach effektiveren Lösungen für die Bestandserhaltung gesucht.

Basierend auf den Erfahrungen anderer, insbesondere deutscher Freilichtmuseen, und mit Hilfe bestehender Kontakte und in Zusammenarbeit mit dem Holztechnikum Kuchl erarbeitete das Salzburger Freilichtmuseum ein Konzept für ein „Integriertes Schädlingsmanagement“.
Mit Beginn der Schadenserhebung, einem von uns so genannten „Blitzmonitoring“ (siehe auch Monitoring im Museum) im Juli 2013 offenbarten sich die tatsächlichen Schäden an Gebäuden und Inventar. Es lag ein sehr unterschiedliches Befallsbild vor, jedoch war in der Regel das Inventar in ähnlich starkem Maße betroffen wie das Haus, in dem es sich befindet.

Mit der Schadenserhebung fand eine kritische Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen statt, die einen Schädlingsbefall fördern können. Die Beobachtungen fanden ihren Niederschlag in der Kategorisierung und Kartierung aller baulichen Museumsobjekte und der Depots anhand einer gebräuchlichen Farbskala – 6 Stufen von grün (kein Befall) bis dunkelrot (starker Befall) – und Überlegungen, wie dem begegnet werden könnte.

Die Ergebnisse der ersten Inaugenscheinnahme sollten in Salzburg nach vorgegebenen Standards in einem definierten Untersuchungsgebiet durch eine Diplomarbeit Aufbau eines Monitoringsystems als Basis für Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen verifiziert werden.

Methodische Beobachtungen und regelmäßige Kontrollen der Aktivitäten der Insekten und ihrer Ausschlupflöcher anhand von Fotos, Papierabklebungen, Licht- und Klebefallen, Aufsammlungen von Bohrmehl und dessen Analyse sowie der Erfassung von Klimadaten lieferten im Laufe des Jahres 2014 Erkenntnisse zum Flugverhalten und der zahlenmäßigen Verteilung von Schädlingen und Nützlingen.

Als Ziel des Projektes wurde die Erarbeitung einer bedarfsgerechten Handreichung für ein zukünftiges Vorgehen bei Schädlingsbefall formuliert. Diese sollte die Betrachtung von Ursache und Wirkung, Überlegungen zu praktikablen und zielführenden, aber auch möglichst schonenden Maßnahmen (Gesundheitsschutz der Mitarbeiter/innen und Besucher/innen, Schutz der Objekte) und Veränderungen (etwa der Umgebungsbedingungen) enthalten.

Das Vorgehen in Salzburg folgte bereits bekannten und bewährten Vorbildern, um den Befall von Gebäuden und Inventar sichtbar und qualitativ wie quantitativ erfassbar zu machen. Das im Salzburger Freilichtmuseum ab 2013 in Angriff genommene Monitoring orientierte sich an rein praktischen Erwägungen, eine wissenschaftlich-forschende Begleitung und Auswertung fand und findet bisher nicht statt.

Unmittelbar auf das Monitoring folgten Schritte zur Erhaltung des dem Museum anvertrauten Kulturgutes. Dazu gehörten vorbeugende und schützende Sofortmaßnahmen ebenso wie bekämpfende Aktionen.
Bei der Wahl neuer schädlingsbekämpfender Mittel, der zahlreiche Überlegungen und Diskussionen vorausgingen, betrat das Salzburger Freilichtmuseum Neuland.

So waren von einer Kostenschätzung über Fragen des Naturschutzes, behördlichen Genehmigungen, Rahmenbedingungen bis hin zu Reaktionen von Presse und Öffentlichkeit vielfältige Aspekte zu berücksichtigen.

In Frage kam sowohl das Thermo Lignum® Warmair-Verfahren mit feuchteregulierter Warmluft, als auch die Verwendung von Sulfurylfluorid. Beide Methoden nutzten wir, die thermische Behandlung allerdings nur bei einem Haus als Ganzes, dagegen als Kammerbehandlung mehrfach für mobiles Inventar. Der Grund für die nur einmalige thermische Hausbehandlung waren die Kosten und der für die Verhältnisse im Salzburger Freilichtmuseum zu hohe notwendige Aufwand rund um das Einpacken des Hauses.

Alle Kosten, inklusive der für die Begleitung durch einen Sachverständigen und die schon erwähnten Eigenleistungen, konnten nur durch anteilige Bundesförderungen sowie Zuschüsse unterschiedlicher Höhe durch den Museumsförderverein und das Gewinnen eines Sponsors gedeckt werden.

Insgesamt wurden zwischen 2014 und 2017 jährlich zwischen 35.000 und 70.000 € für die Schädlingsbekämpfung durch Einsatz von Warmluft bzw. Gas ausgegeben.

Die reinen Kosten sind nur der eine Aspekt des inzwischen jahrelangen Prozesses.
Es gibt aber mehr als eine Frage, die weiterhin beschäftigt – über ein zielführendes Postmonitoring, Beurteilung der Nachhaltigkeit der Verfahren, präventive Maßnahmen, Gebäudehygiene, Ausstellungsgestaltung bis hin zur Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen, der Einhaltung behördlicher Richtlinien und der Auseinandersetzung mit Umwelt- und Artenschutz.

Freilichtmuseen haben wegen ihrer Exponiertheit in puncto Erhaltung von Kulturgut andere Herausforderungen zu bewältigen als Indoor-Museen. Die Instandsetzung und -haltung der Exponate, der historischen Gebäude sowie des mobilen Inventars, bleiben eine tägliche Herausforderung, dauerhafte Schädlingsfreiheit ein ferner Wunsch.

Susanne Brandner, Sammlungs- und Depotleitung, Salzburger Freilichtmuseum, Großgmain


Fotos:
(li): Das Thermo Lignum® Warmair-Verfahren arbeitet mit feuchteregulierter Warmluft.
(re): Beginn der Schadenserhebung mit einem „Blitzmonitoring“-Verfahren.