Erstellt am 31. Oktober 2018

FILM UND FOTOGRAFIEN ALS TEIL MEINER SAMMLUNG

1. Einleitung

1.1 Was habe ich in meiner Sammlung?

Wenn wir wissen, wie unsere Sammlungen aufgebaut sind, wir den Inhalt von Fotografien und Filmen kennen, ihre Geschichte, die Materialien, aus denen sie bestehen und ihre Herstellungstechniken, dann können wir die Objekte wertschätzen und aufwerten. Die Werte in einer fotografischen oder filmischen Sammlung können ästhetisch, wirtschaftlich, technologisch, historisch usw. sein. Diese Werte sind die Kräfte, die uns führen, uns dem Studium, der Bewahrung und der Verbreitung der Werke zu widmen.

1.2 Was ist eine Fotografie?

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es zahlreiche Arten von fotografischen Verfahren und Herstellungstechniken mit unterschiedlichen optischen Qualitäten. Die Filmtechnologie kam erst am Ende des 19. Jahrhundert und folgt dem gleichen Prinzip wie die Fotografie. In diesem Beitrag werde ich nur über die Konservierung von analogen fotografischen Prozessen sprechen, bei denen keine digitale Technologie angewandt wurde.

1.3 Physikalische Struktur der Fotografien

Seit der Erfindung der Fotografie entstanden fortwährend verschiedene fotografische Verfahren. Dennoch besitzen alle Fotografien eine laminare Struktur. Das heisst, ein Foto ist in Schichten aufgebaut.
Die erste und dickste Schicht ist der Träger, er kann aus verschiedenen Materialien gefertigt sein.
Der Träger ist mit einem Bindemittel wie Albumin, Kollodium oder Gelatine bedeckt. Das Bindemittel hält die Partikel, die das Bild ausbilden, wie Silber, Gold, Platin, Palladium, Pigmentfarben oder Farbstoffe. Für gewöhnlich nennt man diese Schicht Emulsion.

2. Materielle Identifizierung von fotografischen Objekten

Nur durch materielle Identifizierung von Fotografien und Filmobjekten ist es des Weiteren möglich, die Art ihres Verfalls zu verstehen. Mit der Identifizierung können wir Konservierungsstrategien oder Restaurierungen planen.

A. Ist die Fotografie ein negatives oder positives Bild?
In einem Negativ sind die Grautöne des Bildes invertiert: In der Farbfotografie sehen wir die komplementäre Farbe.
In einem Positiv sind die Grautöne oder Farben dieselben des fotografierten Objekts.

B. Handelt es sich um ein monochromes oder farbiges Bild?
Umgangssprachlich wird nur zwischen „Schwarz-Weiß“ und „Farbfotografien“ unterschieden. Eine Vielzahl fotografischer Verfahren jedoch produziert Bilder, die keiner dieser Bezeichnungen zugeordnet werden können. Dies sind Verfahren deren Produkte aus Helligkeitsabstufungen einer einzelnen Farbe bestehen, welche stark von Grautönen (der „Schwarz-Weiß“ Fotografie) abweichen können (zum Beispiel Farbtöne wie Blau, Bräunlich, Violet usw.). Deshalb empfiehlt es sich im professionellen Kontext von „monochromer“ statt „schwarz-weißer“ Fotografie zu sprechen. Im Gegensatz dazu besitzen Farbfotografien mehr als einen Farbton.

C. Welche Art von Träger hat die Fotografie?
Seit der Erfindung der Fotografie haben sich die verwendeten Träger verändert und wurden perfektioniert, um immer bessere Ergebnisse zu erzielen, besonders um Reproduktionen zu ermöglichen. Einige Trägermaterialen sind Metall, Stoff, Glas, Papier und Kunststoff.

D. Identifizierung der Herstellungstechnik
Wenn wir die Punkte A bis C identifiziert haben, werden wir vielleicht noch nicht wissen, um welchen Prozess es sich genau handelt, aber wir werden unsere Sammlung bereits besser kennengelernt haben, um mit einer Spezialistin/einem Speziallisten weitere Schritte besprechen können.
Werkzeuge wie Lupen, Vergrößerungsgläser oder Mikroskope können uns die Identifizierung erleichtern.

3. Der Verfall fotografischer Objekte und Schadensbilder

Verfall kann generell als physische und chemische Transformationen bezeichnet werden, die die Vollständigkeit von fotografischen Objekte gefährden oder das Lesen des Bildes unterbrechen bis hin zu verunmöglichen.
Um die Schadensbilder besser zu verstehen, teilen wir sie nach ihren chemischen, physikalischen oder biologischen Ursprung.

3.1 Chemische Schäden

Chemische Schäden sind die Wechselwirkung von fotografischen Materialien mit unvorteilhaften Bedingungen von Feuchtigkeit, Temperatur, Licht und Verschmutzung in der Umgebung oder der zeitlichen Komponente.
Eine mangelhafte fotografische Verarbeitung oder die Zersetzung von unstabilen Materialien der Fotografien können auch chemische Schäden verursachen.
Einige dieser Schäden sind: Aussilberung, Farbänderung, Oxidation der Bildsilberteilchen, Flecken, Vergilbung, Verformungen, Zersetzung von Kunststoffen, Schichtablösung, Oxidierung von Metallen.

3.2 Mechanische und physische Schäden

Sie werden durch unsachgemäße Handhabung, Lagerung oder Montage verursacht und können auch chemische Veränderungen auslösen, z. B.: Brüche, Fehlstellen, Klebstoffreste, Kratzer, Abreibungen Verformungen, Verschmutzung, Staub, Fingerabdrücke.

3.3 Biologische Schäden

Biologische Schäden werden durch Erreger wie Mikroorganismen oder Insekten hervorgerufen. Vorhandensein von Schimmel oder Bakterien wirken sich in Fleckenbildung, Materialverlust und Zerbrechlichkeit aus. Schäden durch größere Tiere (wie z. B. Insekten oder auch Nagetiere) sind typischer Weise Flecken oder Fehlstellen.

4. Präventive Konservierung, Konservierungsmaßnahmen und Restaurierung von Fotografien

Konservierung kann in drei Gruppen unterteilt werden: Präventive Konservierung, Konservierungseingriffe und Restaurierungseingriffe.

Die Präventive Konservierung ist ähnlich allem was wir tun, um gesund zu bleiben und nicht krank zu werden. Bei fotografischen oder filmischen Elementen ist es dasselbe, wir führen einige Aktionen rund um die Objekte durch, um deren Verschlechterung zu vermeiden.
Wenn wir selbst beginnendes Fieber oder eine Erkältung bemerken, können wir einige Maßnahmen ergreifen, die helfen, uns schnell zu erholen. Bei Objekten können wir auch direkt in Konservierungsprozesse eingreifen.
Dies sind minimal inversive Konservierungsmaßnahmen, die darauf abzielen, die Materialien zu stabilisieren und eine Verschlechterung zu verhindern, z. B. trockenen Schimmel entfernen, Risse schließen etc.
Schließlich ist die Restaurierung dem Moment ähnlich, in dem uns der Arzt sagt, dass eine Operation notwendig ist. Die Restaurierungsarbeiten sind solche, die darauf abzielen, das Objekt in seiner strukturellen Stabilität und auch seiner Lesbarkeit wiederherzustellen. Zum Beispiel eine gründliche Reinigung, Kaschierungen von Träger, Retusche etc.
Durch die Präventive Konservierung können wir neue oder weitere Schäden vermeiden.

5. Präventive Konservierung: Einlagerung

Die Materialien für Einlagerung können wir in drei Stufe aufteilen:

  • Stufe 1: das sind alles Materialien, die zum Beispiel in direktem Kontakt mit den Fotos stehen.
  • Stufe 2: sie sind Möbel oder Regale in denen die Fotos im Inneren der Stufe 1 platziert sind.
  • Stufe 3: ist der architektonische Raum in dem sich die früheren Stufen befinden und die klimatischen Bedingungen.

5.1 Stufe 1: Verpackung

Spezielle Verpackungsmaterialien für Fotoarchivierung müssen benutzt werden, um eine korrekte Lagerung zu ermöglichen. Diese sollten den Photographic Activity Test (PAT, nach ISO 18916:2007) bestanden haben. Es gibt allerdings auch andere Archivmaterialien, die durch keinen PAT überprüft wurden und trotzdem für die Konservierung von Fotoobjekten geeignet sind. Wichtig ist, dass die Verpackungsmaterialien aus Zellstoff hergestellt sind. Frei von Lignin, Metallen, Wachsen, Weichmachern, optischen Aufhellern, Klebstoffen und anderen Zusatzmitteln. Papiere, Kartone und Fotoschachteln aus Holzschliff, Briefumschläge, und alte Pergaminsäckchen müssen vermieden werden. Kunststoffhüllen müssen frei von Weichmachern und Lösungsmitteln sein ohne Textur und Farbe.
Ich persönlich bevorzuge es, die Fotos in Papierumschläge aufzubewahren, weil das Objekt „atmen“ kann. Aber auch Umschläge und Hüllen aus Polyester sind eine gute Möglichkeit, weil die Objekte gesichtet werden können, ohne sie aus der Hülle zu nehmen. Die Art der Objektbenutzung ist bei der Entscheidungsfindung der passenden Verpackung wichtig. Die Verwendung von Gummibändern, Klammern, Heftklammern und Klebebänder sollte vermieden werden.
Bei Filmen ist es ausreichend, wenn sie in einer sauberen, korrosionsfreien Metalldose oder einem Polypropylenbehälter gelagert werden. Ihre Manipulation ist etwas komplizierter als die von Fotos, daher ist es besser, sie von einem Spezialisten durchführen zu lassen.

5.2 Stufe 2: Möbel

Büromöbel aus Holz und Kunststoff können schädliche Gase abgeben, die Oxidationsprozesse in fotografischen und grafischen Objekten verursachen. Deswegen sollten sie vermieden werden.
Metallschränken bzw. Metallkästen sollten aus Chromstahl, pulverbeschichtetem Stahl, einbrennlackiertem Stahl oder anodisiertem Aluminium sein.

5.3 Stufe 3: Raum: Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Licht

Es ist wichtig im Raum auf Sauberkeit zu achten und keinen Teppich oder Holzboden vorzufinden, da diese Quellen von Organismen und Gasen sein können. Ein stabiles Klima ist einer der wichtigsten Faktoren zur stabilen Lagerung. Dabei sollten keine abrupten Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte auftreten.

a) Relative Luftfeuchtigkeit
… ist der prozentuelle Anteil des Wasserdampfs in der Luft im Vergleich zu seinem Sättigungspunkt.
Bei trockener Luft, d. h. weniger als 30 % Relative Luftfeuchtigkeit (RH), werden die Fotos und Filme unflexibel und brüchig. Das Bindemittel verliert seinen Feuchtigkeitsgehalt und schrumpft, wodurch Spannungen in den verschiedenen Schichten entstehen, die zu Delaminationen oder Verformungen im Papier führen.
Feuchtigkeitswerte über 65 % RH beschleunigen die chemische Zersetzung und verursachen biologische Schäden. Für gemischte Kollektionen ist eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 40 % am Besten geeignet.
Die relative Luftfeuchtigkeit kann mit einem Hygrometer gemessen und mit einem Luftent- oder befeuchter geregelt werden.

b) Temperatur
Für die langfristige Archivierung von fotografischen Objekten ist die Schaffung eines stabilen Klimas sehr wichtig. Dabei sollten keine abrupten Schwankungen von Temperatur auftreten.

  • Glasplatten müssen bei 18 Grad gelagert werden.
  • Silber-Gelatine-Drucke können bis zu 18 Grad Celsius gelagert werden.
  • Silbergelatine Bilder
    Cellulosenitrat bei 2 Grad mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 bis 30 % RH
    Celluloseacetat bei max. 7° C mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 bis 30%
  • Farbfotografie
    Chromogene Fotos auf Papier undPE-Träger bei maximal 2 Grad, mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 30 bis 40 % RH
    – Farbfotos mit Kunststoffträgern bei max. 2 Grad mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 bis 30 %

c) Licht
Die Lichtwerte müssen kontrolliert werden, besonders wenn Fotoobjekte in Ausstellungen gezeigt werden. Fotos müssen immer lichtdicht gelagert werden.
In Ausstellungen sollten Fotos daher auch nie in der Nähe eines Fensters platziert werden. Dunkle Orte mit kontrolliertem Kunstlicht sind zu bevorzugen.

6. Präventive Konservierung: Handhabung

Die Verschlechterung von fotografischen Objekten wird häufig durch unsachgemäße Behandlung und unsachgemäße Handhabung verursacht. Deswegen ist es besser, nicht selbst Hand anzulegen und Beratung von einem Spezialisten einzuholen, wenn wir nicht wissen, wie die Objekte behandelt werden müssen.
Um Verschmutzung und Fingerabdrücke auf den Fotoobjekten zu vermeiden, sollten Handschuhe getragen werden. Besonders empfindliche Objekte sind Filme, Dias und Abzüge mit glänzender Oberfläche.
Vergessen Sie nicht, die Hände vor und nach der Handhabung von Objekten zu waschen, auch bei Verwendung von Handschuhen.
Um weitere Schäden zu vermeiden, wenn die Fotos bereits Risse haben, ist es besser, ohne Handschuhe und nur mit gewaschenen trockenen Händen die Objekte zu manipulieren.
Für die Untersuchung von Objekten kann ein Fadenzähler verwendet werden. Lupen dürfen nicht direkt auf Fotografien aufgesetzt werden.
Im Archiv und Arbeitsräumen ist das Essen, Trinken und Rauchen strengstens zu verbieten.
Die Inventarnummer kann mit weichem Bleistift (2B–6B) auf der Rückseite, am Rand und klein auf die Fotos mit Papier oder PE-Trägern geschrieben werden, aber nie auf die Bildseite.

7. Zusammenfassung

  • Die Objekte in der Sammlung kennenlernen
  • Identifizierung von Fotografien und Filmobjekten
  • Verfall kann generell als physische und/oder chemische Transformationen bezeichnet werden, die die Vollständigkeit von fotografischen Objekten gefährden oder das Lesen des Bildes unterbrechen bis hin zu verunmöglichen.
  • Durch die präventive Konservierung können wir neue oder weitere Schäden vermeiden.
  • Richtige Einlagerung und Handhabung
  • Stabiles Klima schaffen
  • Wenn Temperatur oder Luftfeuchtigkeit nicht optimal sind, ist es nicht genug, wenn wir Fenster oder Türen auf- oder zumachen. Das Klima muss durch eine Klimaanlagen und/oder Luftentfeuchter/Luftbefeuchter stabil gehalten werden.
  • Messungen oder Werte von Temperatur, Luftfeuchte oder Licht bedeuten nicht, dass das Klima dauerhaft reguliert wird.

Beatríz Torres Insúa, freiberufliche Fotografien-, Film- und Papierrestauratorin, Wien

Der Blogbeitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten am Österreichischen Museumstag, 10.–12. Oktober 2018, Hall in Tirol.


Literatur

Adelstein, Z. Peter, IPI Media Storage quick reference, Image Permanence Institute-Rochester Institute of Technilogy, Rochester, 2009.
Graphics Atlas, Image Permanence Institute, Rochester Institute of Technology, 2018.
Lavedrine, Bertrand, A guide to the preventive conservation of photograph collections, The Getty Conservation Institute, Los Angeles, 2003.
Lavedrine, Bertrand, Photographs of the past, The Getty Conservation Institute, Los Angeles, 2007.
Müller, Ulrike, Archivierung, Konservierung, Restaurierung. Zum Umgang mit Fotografien, KLUG Conservation, 2018


Fotos: pxphere

Für diesen Beitrag wurden ergänzende Dateien hinterlegt:

Präsentation zum Vortrag am Österreichischen Museumstag 2018