Erstellt am 20. Oktober 2018

Kulturerbe digitalisieren? Gedanken und Überlegungen zum Thema Digitalisieren in Kulturinstitutionen

Museen stehen dem Thema Digitalisierung häufig skeptisch gegenüber: Ist die Angst berechtig, den Museumsbesuch vor Ort überflüssig zu machen? Fordert die Digitalisierung zu viel Zeit, Know-how und wie geht es danach weiter?

Von der Generierung von Aufmerksamkeit, Community Building im virtuellen Raum bis zur Bildung potenzieller neuer Besuchergruppen – hier ein paar Vorteile auf einen Blick:

Die Nachnutzbarkeit von Kulturerbedaten macht es für Professionisten – Künstlerinnen und Künstler – und Laien gleichermaßen interessant, etwas Neues zu schaffen. Die digitalisierten Bilder können heruntergeladen und je nach Urheberrechtsstatus vielfältig wiederverwendet werden. Durch eine künstlerische Überarbeitung, bekannt unter dem Begriff des Remixing, entsteht eine aktive Auseinandersetzung mit den Kunstwerken und stellt ein völlig neues Konsumieren von Kultur dar. Im Sinne einer nachhaltigen Langzeitarchivierung, ist es durchaus sinnvoll, die Sammlung zu digitalisieren und für weitere Generationen zu erhalten.

Das Zeigen von digitalen Inhalten am Bildschirm, wenn Originale zum Beispiel aus konservatorischen Gründen nicht genutzt werden können, sich im Depot befinden oder ausgeliehen sind, bietet barrierefreien Zugang zum Objekt und macht mögliche Querverbindungen leichter sichtbar. Präsenz im Netz führt zu mehr Offenheit, Zusammenarbeit und Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern sowie anderen Institutionen. Die größere Sichtbarkeit und die damit einhergehende Steigerung des Bekanntheitsgrades wirken sich positiv auf die Institution aus.

Was ist notwendig?

Häufig muss der Stellenwert der Digitalisierung innerhalb eines Museums oder einer Kulturinstitution erst bewusst gemacht werden. Für alle Abteilungen muss die Bedeutung und das Potenzial der Digitalisierung klar formuliert sein; es muss ebenso klar sein, dass Digitalisierungsprozesse nur als abteilungsübergreifende Arbeit nachhaltig funktionieren kann.
Die digitalen Anwendungen reichen von Screens, Vermittlungsapps für Smartphones oder Tablets, 360-Grad-Videos und 3D-Drucke bis Virtual Reality-Brillen, wo komplett neue Erfahrungsräume geschaffen werden können. Im Gegensatz dazu gibt es auch Augmented Reality, hier wird die reale Umgebung durch virtuelle Elemente erweitert werden kann.
Wichtig bei Digitalisierungsvorhaben ist vor allem das Offenbleiben gegenüber neuen digitalen Formaten, wie zum Beispiel Vlogging oder auch Podcasts speziell für Themen im Kulturbereich.
Zeitgleich zum Digitalisieren der Sammlung kann auch Work in Progress öffentlich gemacht werden, um Entwicklungen und Fortschritte für Außenstehende wahrnehmbar zu machen. Zudem sollten gewählte Methoden und Werkzeuge nicht festgefahren sein. Nur wenn der Prozess einer Digitalisierung offen geplant wird, kann auch auf technische und ressourcenbedingte Veränderungen flexibel reagiert werden.

Wie können Daten zugänglich gemacht werden?

Am Beginn sollte die Sammlung digital aufgearbeitet und eine Bilddatenbank etabliert werden.
Das Digitalisierungsvorhaben hängt sehr stark von den finanziellen und personellen Ressourcen ab. Die zeitaufwendige Aufbereitung sollte also als langfristige Strategie angelegt sein und stetig vorgeführt werden. Viele Museen machen ihre Daten über Plattformen wie Kulturpool und Europeana der Öffentlichkeit zugänglich.
Für die museumsübergreifende Forschung sowie die Verbreitung der Sammlungsobjekte ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. Um kulturelles und wissenschaftliches Erbe im Internet zugänglich machen, müssen Urheberrechte, Lizenzen und die Verwertungsbestimmungen jedes einzelnen Objektes mit den zuständigen Kontakten eingeholt und verhandelt werden. Es bietet sich an, die Rechte und Verträge von Beginn an mitzudenken und auch über die Verbreitung in digitalen Kanälen zu sprechen.

Aus heutiger Sicht steht fest, dass sich in Zukunft Dinge immer schneller verändern werden und wir mittlerweile daran gewohnt sein sollten. Die Digitalisierung bringt Herausforderungen mit sich und verändert Arbeits- und Produktionsweisen, sowie gesellschaftliche Bereiche und Kommunikation grundlegend. Alles wird schneller, vernetzter, sofort abruf- und downloadbar und einfach verfügbar.
Für Museen wäre der Idealfall, dass sowohl die virtuellen Besucher/innenzahlen als auch die echten steigen und somit neue Besucher/innengruppen entstehen. Alles was das Digitalisierungsvorhaben betrifft, ist unter dem Anbetracht der Tatsache zu verstehen, was ein Museum hinsichtlich Digitalisierung leisten und bieten kann, in Relation dazu wo die Prioritäten der Aufgaben und Zielen der Institution liegen.

Christiane Gastl, Studierende an der FH Joanneum „Ausstellungsdesign” und Digitalisierungsspezialistin


Literatur:

Ross Parry: Museums in a digital age, 2010.
Tanja Praske: Digitalisierung – Chance für Museen und Kultureinrichtungen, 2016
Angelika Schoder: Wer hat Angst vor digital zugänglicher Kunst?, 2018

Foto: pxHere