Erstellt am 4. Oktober 2018

Über Nachhaltigkeit von Digitalisierung

Die Chancen und Risiken für nachhaltige Entwicklungen hängen u. a. auch unmittelbar mit dem Thema Digitalisierung zusammen.
Doch wie nachhaltig ist Digitalisierung?

Digitalisierung an sich führt nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. Der Rebound-Effekt – wo Effizienzgewinne durch gestiegenen Konsum wettgemacht werden, den digitale Services und damit gesunkenen Preise anregen – endet schlimmstenfalls in einer digitalen Wachstumsökonomie. Digitalisierung kann ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein, aber nur wenn die Weichen richtiggestellt werden.
In Wirklichkeit verlagert sich der Stromverbrauch von Endbenutzern zu Rechenzentren, Cloud-Services, Suchmaschinen, etc. Denn es sind nicht nur riesige Technologien wie Atomkraftwerke, die unsere Umwelt und unsere Mitmenschen beeinflussen, sondern auch die Summe aller unserer kleinen Technologien. Es spielt keine Rolle, ob wir versuchen, die Grenzen des Wachstums durch große oder kleine Technologien zu verschieben. Auch nicht, ob die Werkzeuge, die wir anwenden, smart sind.  In beiden Fällen schlagen sie in Form von Rebounds zurück.
Digitalisierung sollte uns das Leben ohne wesentliche Komfortnachteile erleichtern, dabei weniger Konsum, Ressourcen- und Energienachfrage verursachen. Nur dann trägt Digitalisierung dazu bei, unseren exorbitanten Rohstoffverbrauch auf ein sozial und ökologisch verträgliches Maß zu senken.

Kaum eine Museumsaufgabe lässt sich heute noch ohne digitale Instrumente bewältigen oder zumindest begleiten. Dabei ist die Digitalisierung weit mehr als nur Objektregistrierung und -veröffentlichung. Sie bietet auch für die Bereiche Forschung, Vermittlung und Marketing zahlreiche Möglichkeiten.

Um hier Nachhaltigkeit zu schaffen, müssen Aktionen, die in den unterschiedlichen Bereichen durchgeführt werden, bestmöglich geplant und miteinander verzahnt werden, denn ohne solide Digitale Strategie bleiben kreative Aktionen  mit digitalen Medien und Technologien „schöne“ Highlights ohne nachhaltigen Effekt und müssen unverhältnismäßig aufwendig geplant und durchgeführt werden. Ohne den Überbau der Gesamtstrategie können neue Wege der Vermittlung von Inhalten weder in die Organisationsstruktur integriert werden, noch führen sie zu neuen Wertschöpfungsprozessen.

Optimale Bedingungen für nachhaltige Digitalisierung

Man sollte berücksichtigen, dass langfristige Speichermedien naturgemäß immer optimale Lagerbedingungen voraussetzen. Das bedeutet bei optischen Medien wie CD, DVD und Blu-ray optimale Temperaturen, kein Licht, keine Kratzer, keine Aufkleber, keine Fingerabdrücke. Der für die dauerhafte Aufbewahrung geforderte Bereich liegt zwischen -5° bis +30°C, doch wird die optimale Lebensdauer nur bei 25°C erreicht. Temperaturschwankungen sollten ebenfalls unterbleiben. Die für die Lagerung liegt die optimale Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. USB-Speichersticks und SSD-Karten eignen sich sehr gut als Langzeitspeicher. Flash-Speicher sind lediglich von Verschleiß bedroht, der direkt beim Beschreiben der Speicherzellen entsteht. Die meisten Hersteller garantieren allerdings 100.000 und mehr Schreibzyklyen. Speichermedien wie USB-Sticks und Festplatten erreichen eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Ebenso wichtig ist die passende Speicherstrategie: regelmäßige Backups der Datenträger sollen durchgeführt werden.
Daten in der Cloud zu speichern ist ebenfalls eine Möglichkeit, diese für lange Zeit sicher zu archivieren. Um Zugriffe von außen zu verhindern, sollte der Cloud-Anbieter zwingend eine verschlüsselte Übertragung und Ablage der Daten anbieten.

Langfristige, nachhaltige Digitalisierung bedarf also guter Planung und einer Gesamtstrategie, damit man das bestmögliche Umfeld für sensible Daten aufbereiten kann und sie auf den jeweiligen Kanälen der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Christiane Gastl, Studierende an der FH Joanneum „Ausstellungsdesign” und Digitalisierungsspezialistin


Lesetipps:
Steffen Lange, Tilman Santarius: Smarte grüne Welt? Digitalisierung und Nachhaltigkeit, 2018
Ana Luisa Sánchez Laws: Museum Websites & Social Media, 2015

Foto: pxhere