Erstellt am 4. Mai 2018

Der ideale Multimediaguide: Leihgerät oder Smartphone?

Wo früher Audioguides den Museumsbesuch bereichert haben, vermitteln heute oft Multimedia-Guides Wissenswertes über gleich mehrere Kanäle: Besucher können Informationen hören, lesen, erspielen, Animationen und Filme erleben.

Benötigen die Museen dazu ein eigenes Multimedia-Guide-System mit den entsprechenden Geräten? Die Besucher könnten doch ihre Smartphones nutzen. Aus finanzieller Sicht erscheint dies zunächst als Vorteil. Aber ist dem tatsächlich so?

Beim Nutzen eigener Smartphones kommen meist Apps ins Spiel. Doch häufig der Schein, die Museen könnten auf diesem Wege Kosten sparen. Dies hat gleich mehrere Gründe. Für eine ansprechende multimediale Führung ist oft ein hoher Datenumfang notwendig. Dieser lässt sich ohne leistungsstarkes WLAN im Museum meist nicht ohne Probleme auf das eigene Smartphone laden. Und die Download-Zahlen vieler Museums-Apps belegen: Die wenigsten Besucher laden eine Museums-App über ihr privates WLAN im Vorfeld herunter. Entwicklungsaufwand und Kosten von Museums-Apps stehen deshalb nicht selten im Missverhältnis zur tatsächlichen Nutzung. Zu beachten sind zudem die laufenden Kosten für das dauerhafte Betreiben einer App. Denn sobald Apple oder Android Änderungen am Betriebssystem vornehmen oder neue Geräte auf den Markt bringen, müssen Apps häufig überarbeitet werden. Da jedes Update mit Kosten verbunden ist, verwundert nicht, dass zahlreiche, auch namhafte Museums-Apps wieder vom Markt verschwunden sind.

Eine für Smartphones optimierte mobile Website oder so genannte „Web-App“ bietet hier den besseren Ansatz. Diese kann durchaus wie eine App gestaltet werden. So ist es möglich, automatisch die Adresszeile des Browsers auszublenden und zu erkennen, ob Abbildungen im Hoch- oder Querformat verwendet werden, um dem User Hinweise zu geben, das Gerät entsprechend zu drehen. Eine mobile Website ist zudem plattformübergreifend, was zu einem deutlich geringerer Entwicklungsaufwand und entsprechend weniger Kosten im Vergleich zur klassischen App führt. Dies bezieht sich auch den Update-Folgeaufwand, denn hier sorgen die Browser selbst dafür, dass auch ältere Sites weiterhin angezeigt werden können.

Sicherlich löst auch eine mobile Website nicht das Problem, größere Datenmengen herunterladen zu müssen. Doch erfolgt dies eher Stück für Stück beim Aufrufen der einzelnen Beiträge. Redaktionssysteme ermöglichen den Museumsmitarbeitern, Inhalte selbst jederzeit aktualisieren zu können. Über mobile Websites gestaltet sich dies unkomplizierter als bei einer App, bei der im ungünstigen Fall ein weiteres Update in den Appstores notwendig wird.

In ihrer neuesten Entwicklungsstufe, der so genannten „progressive WebApp“ verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer App und mobiler Website. Auch diese Lösung funktioniert browserbasiert, so dass sie nicht wie eine App installiert werden muss. Doch lädt die progressive WebApp im Hintergrund Daten herunter und sorgt über intelligente Mechanismen dafür, dass Inhalte teilweise auch dann abgerufen werden können, wenn ein Wlan zum Beispiel nicht flächendeckend in der gesamten Ausstellung verfügbar ist.

Aber auch mobile Websites haben Nachteile. So können diese zwar GPS verarbeiten, einen Zugriff auf die weitergehende Möglichkeiten eines Smartphones, zum Beispiel auf Kompass, Beschleunigungssensoren oder die Kamera haben sie nicht. Auch kommen mobile Websites nicht für die Ortung innerhalb eines Gebäudes in Frage. Sofern man also darüber nachdenkt, dem Besucher die eigene Position anzuzeigen oder die Bewegungsmuster des Publikums innerhalb der Ausstellung auszuwerten, sind Leihgeräte zu favorisieren. Diese bieten – auch im Vergleich zu Apps – die präziseste Lokalisierung überhaupt. Und da bei den Leihgeräten der komplette Inhalt bereits auf den Geräten aufgespielt und somit offline verfügbar ist, muss man sich um eine Datenübertragung oder ein stabiles WLAN in der Ausstellung keine Gedanken machen.

Was ist nun also die beste Lösung? Leihgeräte, vielleicht doch eine App oder die „progressive WebApp“? Dies ist immer abhängig von den individuellen Anforderungen. In unserer täglichen Arbeit für Museen entwickeln wir häufig kombinierte Systeme. Dabei verfügt das Museum über eine gewisse Anzahl an Leihgeräten für Besucher, die kein Smartphone besitzen oder dieses nicht nutzen möchten. Diesen Geräte-Pool ergänzt eine mobile Website, um eine noch größere Verbreitung zu erreichen. Beide Varianten werden aus einem gemeinsamen Redaktionssystem gespeist, so dass der Inhalt immer auf dem neuesten Stand ist.

Jörg Engster, xpedeo mediaguides / die InformationsGesellschaft mbH, Bremen (D)