Erstellt am 8. April 2018

Präventive Konservierung: Rückseitenschutz

An einem Gemälde einen Rückseitenschutz anzubringen, ist eine gängige Maßnahme der Präventiven Konservierung. Diese kann, je nach Anforderung und Zielsetzung, verschiedene Zwecke erfüllen.
Die einfachste Art des Rückseitenschutzes ist der Rückseitenstaubschutz. Dieser kann beispielsweise aus einer säurefreien, archivbeständigen Pappe, im besten Fall einer sogenannten Doppelwelle bestehen.
Diese Pappe wird rückseitig am Gemälde befestigt und verdeckt dieses vollständig. In Folge ist die Gemälderückseite vor Staub und Verschmutzung geschützt, aber auch vor mechanischen Belastungen wie rückseitigen Stoßeinwirkungen. Der Staubschutz kann zu einem Rückseitenschwingschutz und/oder Rückseitenklimaschutz erweitert werden. Natürlich können alle drei Arten durch die entsprechende Materialwahl kombiniert werden. Dennoch bietet es sich an, an dieser Stelle eine Unterscheidung zu treffen, um spezifischer zu werden.

Die historische Entwicklung des Rückseitenschutzes, wie wir ihn heute kennen, nimmt ihren Anfang in Anstrichen auf der Gemälderückseite und textilen Hinterspannungen. Es folgen rückseitige Montagen mit Holzbrettern. Die Funktion dieser Maßnahmen ist im Bereich „Klimaschutz“ verankert und basiert auf der Beobachtung, dass sich doppelseitig bemalte Holztafeln in der Regel weniger stark verwölben als einseitig bemalte.
Mit der Entwicklung neuer Materialien finden heute auch Kunststoff- und Metallplatten sowie Kunstfasertücher Eingang in die konservierungswissenschaftliche Praxis.

Bei der Auswahl des passenden Materials sollte die Zielsetzung der Maßnahme basierend auf den spezifischen Eigenschaften des Gemäldes im Vordergrund stehen. Gemälde auf textilem Bildträger stellen natürlich andere Anforderungen an einen Rückseitenschutz als Gemälde mit starrem Träger wie Holz oder gar Metall. Des Weiteren sollte der Ort, an welchem sich das Gemälde befindet oder hin transportiert werden soll, auf jeden Fall Berücksichtigung finden.
Davon ausgehend sind die physikalischen und chemischen Eigenschaften des gewählten Materials zu betrachten. Natürlich sollte es stabil und möglichst inert sein, aber auch hygroskopische Fähigkeiten sollten beachtet werden, ebenso wie die Wärmeleitfähigkeit die Resonanzfähigkeit des Materials.

Neben den direkt festzumachenden positiven Auswirkungen des Rückseitenschutzes als Maßnahme der Präventiven Konservierung lässt sich noch ein weiterer Vorteil ausmachen. Auf dem Rückseitenschutz können wichtige Informationen zur Objektidentifizierung mittels Etiketten festgehalten werden. Das können Angaben zum Gemälde sein, wie Inventarnummer, Titel, Künstler und Masse sein. Auch Hinweise zur Materialität des Gemäldes, zu dessen Befestigung im Rahmen oder zur Verglasung, falls vorhanden können dort vermerkt werden. Ein Foto der Rückseite des Gemäldes kann ebenfalls ergänzend aufgeklebt werden.

So kann aus dem Anbringen eines Rückseitenschutzes an einem Gemälde durch eine restauratorische Fachkraft vielfacher Nutzen gezogen werden.

Meike Jockusch, Diplomrestauratorin

Siehe auch: Paul Bernhard Eipper, Der ideale Rückseitenschutz, Kunsthandel 11 (2014)


Das rechte Foto zeigt einen Polypropylenstegplattenrückseitenschutz als Abschluss einer integrierten Klimavitrine, das linke zeigt einen Rückseitenstaubschutz mit säurefreier, archivbeständiger Doppelwellpappe.