Erstellt am 4. Juli 2017

Im Fokus: Farbkontraste

Die Kunst, Farben miteinander zu kombinieren und Kontraste zu setzen

Durch Farbpaare, die miteinander kombiniert werden, entsteht ein belebender Kontrast. Welche Wirkung hat ein rotes Gemälde vor einer weißen Wand auf uns? Und wie verändert sich seine Leuchtkraft, wenn die Wand in einem dunklen Grau oder in einem tiefroten Ton gestrichen wird?

Farben haben die Eigenschaft sich gegenseitig zu beeinflussen. Ein wichtiger Kontrast ist der Komplementärkontrast. Durch langes Betrachten einer farblichen Wand werden die Sehzellen gleichmäßig gereizt und die Substanzen dieser bestimmten Farbe werden quasi verbraucht.
Dadurch fehlen diese Substanzen in den Sehnerven und ermöglichen ein komplementäres Nachbild. Wenn man länger als ein paar Sekunden lang eine Farbe fixiert und der Blick danach auf eine neutrale Wand fällt, so entsteht die jeweilige Komplementärfarbe als Abbild.
Bei einer grünen Fläche wäre dies ein magentafarbenes Nachbild und umgekehrt. Eine blaue Fläche erzeugt ein orangefarbenes Nachbild. Auf Gelb folgt ein Violettes. Wir können unsere Wahrnehmung durch den gemeinsamen Einsatz von Komplementärfarben verstärken und so eine starke Wirkung erzielen. Die Leuchtkraft der Farben steigern sich durch die Anwesenheit der jeweils anderen.

Stehen zwei Farben im direkten Zusammenhang zueinander so üben sie immer eine veränderte Wirkung aufeinander aus. Dies wir auch als Simultankontrast bezeichnet.

Auch die Größe der Farbflächen zueinander hat eine Auswirkung auf die Farbgebung. So beschäftigt sich der Quantitätskontrast mit dem richtigen Verhältnis der Farben miteinander. Für Blau und Orange liegt dies bei etwa 1:3. So könnte man einen Ausstellungsraum im „White Cube“ Stil beschreiben. Durch die weiße Wand sticht das Kunstwerk hervor während bei vielen intensiven Farben dies nicht mehr im Vordergrund stehen würde. So ist die richtige Farbwahl bei einem Gemälde umso wichtiger.

Durch Farben können wir auch sehr gut Stimmungen und Gefühle erzielen.
Ein sehr gutes Beispiel ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gegangen. Durch den starken Einsatz von Farbe in der Gestaltung wurden 1.200 Ausstellungstücke in Szene gesetzt. Es ist der entgegen gesetzte Weg zum White Cube und natürlich auch mit einem gewissen Risiko verbunden, die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Kunststück abzulenken.
Die Farben haben eine unterstützende Wirkung und heben somit das Gemälde in den Vordergrund anstatt sie in den Schatten zu stellen. „Bei manchen Räumen haben wir mit 120 unterschiedlichen Musterfarbtafeln ausprobiert, womit die Exponate gut harmonieren“, beschreibt die Innenarchitektin Kristina Witt die entstandenen Schwierigkeiten bei der Farbgestaltung.

Durch die Farbgestaltung werden zuvor unentdeckte Bedeutungen und Informationen über die Kunstwerke offen gelegt und eine neue Betrachtungsweise wird ermöglicht, erklärt Hermann Arnhold, Direktor des Museums: „Die Wechselwirkung zwischen farbiger Wand und Bild lässt Details in den Blick kommen, die vorher vielleicht gar nicht so deutlich wahrgenommen wurden oder wahrgenommen werden konnten.“

Viktoria Kager, Architektin und Ausstellungsdesignerin, Graz


Fotos:  LWL-Museum für Kunst und Kultur

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