Erstellt am 21. Mai 2017

Ehrenamt im Museum: Edith Schedl, Museum Oberschützen

Christiane Gastl (CG) im Gespräch mit Edith Schedl (ES) über Ehrenamt und Zukunft im Museum. Sie ist Obfrau des Museumsverein Oberschützen in Burgenland.

CG: Warum und wie haben Sie begonnen, sich für das Museum zu engagieren? Was genau sind die Aufgaben, die Sie im Museum übernehmen?

ES: Durch das Organisieren von Veranstaltungen und meiner Buchpräsentation im Haus der Volkskultur bin ich in Kontakt mit dem Museumsverein gekommen. Als Obfrau des Museumsvereins bin ich die Ansprechperson für viele Bereiche, die das Museum betreffen. Diese reichen von organisatorischen Aufgaben über Schriftverkehr, Vorbereiten von Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen bis zum Durchführen von Vermittlungsangeboten des Museums.

CG: In welchem Verhältnis stehen für Sie persönlich der Zeitaufwand und die Wertigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeit im Museum? Was macht es für Sie wert sich zu engagieren? 

ES: Die Erhaltung der Sammlung, Inventarisierung und die Vorbereitung und Durchführung von Sitzungen und Veranstaltungen sind sehr zeitintensive Tätigkeitsfelder. Wir sind ein gut eingespieltes Team, wenn auch alle Pensionisten – bis auf eine Ausnahme. Der Umgang mit Menschen, die Anerkennung von unseren Besucherinnen und Besuchern, von Seite der Gemeinde und die Motivation unserer freiwilligen Mitarbeiter/innen machen es für mich wert, mich den sinnvollen Aufgaben mit Leidenschaft zu stellen. Besonders stolz sind wir auf den Erhalt des Museumsgütesiegels für das Museum.

CG: Wie schätzen Sie das Bewusstsein und die Wichtigkeit von ehrenamtlicher Mitarbeit in Museen in der Gesellschaft ein?

ES: Das Bewusstsein ist da, es gibt nach wie vor viel Arbeit. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, dass der Rahmen der Ressourcen der ehrenamtlichen Mitarbeit nicht gesprengt wird. Die Erhaltung der Sammlung und derzeit v. a. die historische Aufarbeitung des Mahnmals in Oberschützen sowie die Herausgabe unserer Museumsblätter – im Moment arbeiten wir an der Folge 13 – sind umfangreiche Aufgaben. Dafür bekommen wir auch viel positives Feedback der Mitglieder und Ortsbevölkerung.

CG: Sehen Sie Ehrenamt als prekäres Arbeitsverhältnis? Wie könnte man die Arbeitssituation für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen verbessern?

ES: Das Ehrenamt definiert sich nach wie vor als freiwilliger Beitrag und stellt somit kein Arbeitsverhältnis dar. Die Entlohnung und das Ansehen geschehen in Form von Dankbarkeit und manchmal auch in geselligem Beisammensein, wie z. B. beim Falten unserer Prospekte. Bei dieser Tätigkeit, die wir unter dem Synonym „Federschleißen“ durchführen (in Anlehnung an die frühere Winterbeschäftigung von Bäuerinnen, bei der diese in einer größeren Runde die Daunen vom Kiel entfernten. Nach getaner Arbeit gab es dann eine wohlverdiente Stärkung), kann es auch schon einmal recht heiter zugehen …

CG: Wie entwickelte sich das ehrenamtliche Engagement im Museum von der Museumsgründung bis heute?

ES: Viele Vorstands- und Vereinsmitglieder sind seit der Gründung des Museums 2003 dabei und machen die Arbeit gerne. Ich bin seit 2013 im Vorstand des Museums und mir persönlich ist sehr wichtig, dass die drei Säulen unseres Museums – die Präsentation der Sammlung Simon und der Dokumentation Wimmer, das Abhalten von Symposien zur lokalen Geschichte und die Herausgabe unserer Publikationen – weiterhin gewährleistet sind. Im Moment bemühen wir uns sehr um den Kontakt zu den örtlichen Schulen. So laden wir z. B. die Lehrer der beiden im Ort befindlichen Gymnasien zu pädagogischen Konferenzen zu uns ins Haus.

CG: Wie viel Handlungsspielraum werden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Museum eingeräumt?

ES: Grundsätzlich bringen sich alle ein, viele Aufgaben und Fragestellungen werden gemeinsam erarbeitet. Jeder bringt unterschiedliche Kompetenzen mit und befasst sich somit mit anderen Schwerpunkten. Bei besonderen Veranstaltungen – wie dem Gustav Adolf Fest, das im Juni in Oberschützen stattfindet und bei dem 2000–3000 Personen erwartet werden – wird auch das MUSEUM|OBERSCHÜTZEN als eine von mehreren zu besuchenden Stationen zur Auswahl stehen.

CG: Wie steht es um die Zukunft des Ehrenamts im Museum?

ES: Zurzeit gibt es leider keine Anfragen und Interesse für ehrenamtliches Engagement von jungen Leuten im Museum. Natürlich ist jeder willkommen und wir hoffen, dass es auch in Zukunft durch ehrenamtliche Mitarbeit mit dem Museum weitergeht.

CG: Wie könnte man ehrenamtliche Mitarbeit im Museum als sinnvolle Freizeitbeschäftigung und gleichzeitig als Vergnügen für junge Menschen attraktiver gestalten?

ES: Es gibt die Überlegung, die anderen Vereine im Ort stärker einzubinden. Bei der bestehenden und bekannten Sammlung wird dies nicht leicht möglich sein. Aber vielleicht ließe sich bei einer Sonderausstellung das Interesse wecken, dass die jeweiligen Vereinsverantwortlichen für ihre Mitglieder Besuche und Führungen abhalten.
Ebenso besteht die Möglichkeit Betriebsfeiern von ortsansässigen bzw. in der Umgebung befindlichen Unternehmen mit einem Museumsbesuch bei uns zu verbinden.

CG: Könnte es mit dem Museum ohne ehrenamtliche Mitarbeiter/innen weitergehen?

ES: So wie es derzeit aussieht müsste das Museum vermutlich geschlossen werden. Selbstverständlich bemühen wir uns sehr, ehrenamtliche Mitarbeiter/innen zu gewinnen.

Christiane Gastl, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos (vlnr):
Vorschau: Ein Teil der Publikationen wird von den Lehrkräften auf Verwendbarkeit für den Unterricht geprüft.
1 Inventarisierung ist eine der zentralen Aufgaben.
2 Die Vorstandsmitglieder beim Falten der Prospekte. Wegen des geselligen Charakters dieser alljährlichen Aktion, wird das Beisammensein auch scherzhaft als Federnschleißen bezeichnet.
3 Zu den Aufgaben gehört auch die Kontaktpflege zu den Lehrkräften der im Ort ansässigen Schulen.
(Foto: Museum Oberschützen)

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