Erstellt am 18. April 2017

Ehrenamt im Museum: Ulrike Eichmeyer-Schmid, Evangelisches Museum in Oberösterreich

Christiane Gastl (CG) spricht mit Ulrike Eichmeyer-Schmid (UES) über ihr ehrenamtliches Engagement.  Sie ist Leiterin und Vorstandsvorsitzende des Evangelisches Museum in Oberösterreich.

Christiane Gastl (CG): Warum und wie haben Sie begonnen, sich für das Museum zu engagieren?

Ulrike Eichmeyer-Schmid (UES): Bereits im jungen Alter von 12 Jahren habe ich begonnen, mich ehrenamtlich für die Evangelische Pfarrgemeinde Linz zu engagieren. Die besondere Geschichte unserer Kirche hat mich immer schon fasziniert, generell interessiere ich mich seit jeher für Geschichte. Als das Museum im Jahr 2000 gegründet wurde, war ich von Anfang an dabei, ebenfalls in dervorangegangenen, jahrelangen Planungsphase war ich stark involviert.

CG: Was haben Sie früher gemacht?

UES: Vor meiner Pensionierung war ich beruflich in der Sparkasse in Linz tätig. Nebenberuflich war und ist es mir nach wie vor ein großes Anliegen, mich sinnvoll zu beschäftigen und aktiv zu bleiben.

CG: Was haben Sie unternommen, um sich bestimmte Kenntnisse zum Großteil selbst beizubringen?

UES: Ich lese sehr viel einschlägige Literatur zu den jeweiligen Themen, nutzte das Internet und berate mich im meinem Expertenumfeld und Netzwerk. Unter anderem berate ich mich auch sehr gerne mit meinem Mann, der das Museum gegründet hat und mit der Kirchengeschichte und den Themen bestens vertraut ist.

CG: Was genau sind die Aufgaben, die Sie im Museum übernehmen?

UES: Meine primären Aufgaben sind die Öffentlichkeitsarbeit, Administration und Organisation. Ein großes Anliegen ist mir auch die Betreuung von unserem Buchshop, für den ich sorgfältig gute Literatur auswähle und bestelle. Weiters halte ich Vorträge, erstelle Kulturvermittlungsprogramme und mache Führungen, um Kultur und Geschichte anders vermitteln zu können und Neues auszuprobieren. Ich kümmere mich um Subventionsansuchen und unsere jährlich erscheinende Museumszeitung. Auch unsere treuen Mitarbeiter liegen mir am Herzen, welche ebenfalls alle ehrenamtlich beschäftigt sind. Sich zu bedanken sehe ich für sehr wichtig an.

CG: Was macht es für Sie die Anstrengung und Verantwortung wert, sich ehrenamtlich zu engagieren?

UES: Die vielen positiven Rückmeldungen unserer BesucherInnen geben mir sehr viel Motivation. Auch das gute Verhältnis mit den MitarbeiterInnen gibt mir Kraft, da es ein ständiges Geben und Nehmen ist. Ebenfalls ist mein Mann eine große Unterstützung und hilft mir mit den Führungen bei Großgruppen.

CG: Gibt es Nachwuchs, junge Menschen, die sich engagieren?

UES: Der Nachwuchs im Museum bereitet uns große Sorgen und Probleme, denn es gibt keinen Nachwuchs. Die jüngsten unter uns sind derzeit um die 50 Jahre alt.

CG: Warum ist es Ihrer Meinung nach so schwer, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich beschäftigen wollen? Ist das Ehrenamt in Österreich zu wenig angesehen?

UES: Es gibt sehr viele Freizeitangebote und natürlich auch viele Angebote zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei unterschiedlichen Organisationen. Viele junge Leute engagieren sich lieber bei der Feuerwehr oder beim Roten Kreuz, wo sie sich mehr „Action“ im Berufsalltag erwarten als im Museum. Ehrenamtliche Arbeit für ein Museum, noch dazu nicht in der Großstadt, ist für junge Menschen zu wenig attraktiv. Zusätzlich sollte in unserem Fall das geschichtliche Interesse sehr hoch sein.

CG: Was könnte Ihrer Meinung nach die Kulturpolitik dazu beitragen?

UES: In Oberösterreich gibt es sehr viele Einladungen, Ehrungen und Auszeichnungen für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen, wo sie namentlich erwähnt werden und Kulturmedaillen des Landes verliehen bekommen. Viele kleine Museen haben Probleme mit der Erhaltung der Institutionen, da es sehr viele Freizeitangebote gibt und die Regionen oft fernab von gut erreichbaren öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Dennoch leisten sie wichtige Kulturarbeit für die Region und müssen gefördert und erhalten werden.

Christiane Gastl, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos (vlnr): Evangelisches Museum in Oberösterreich (Foto: Richtl, Wikipedia), Gruppe aus Bad Ischl nach der Führung (li. vorne Ulrike Eichmeyer-Schmid), Volkskulturpreis 2017, Würdigung der Museumsarbeit durch das Land OÖ. Auf dem Foto ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Freunden des Museums. In der Mitte: Ulrike Eichmeyer-Schmid und Hansjörg Eichmeyer. (Foto: Ulrike Eichmeyer-Schmid)

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