Erstellt am 2. März 2017

vorarlberg museum: Migration ist kein Thema mehr!

„Sie suchen Kleidung, sie suchen Schutz, sie suchen Nahrung und sie brauchen Geld. Hast du das?“
Fatih Özcelik, Vermittler im vorarlberg museum, Bregenz, beantwortete diese Fragen mit „Nein“. Dennoch hat er nicht aufgegeben, das Thema Migration im Museum immer wieder anzusprechen und die Veränderungen und Erfahrungen beim Österreichischen Museumstag 2016 in Eisenstadt mit allen Interessierten zu teilen.
Denn im vorarlberg museum ist „Migration kein Thema mehr“.

Der Weg dorthin war kein einfacher und bedeutete Veränderungen und Akzeptanz. Der erste Schritt für das Museum war es, eine Haltung zu definieren und diese auch zu leben. Andreas Rudigier, Direktor des vorarlberg museum,  hat diese Haltung so beschrieben: „Dieses Museum ist für Einheimische und Vielheimische. Es verbindet Geschichte mit Gegenwart und gewährt Ein- und Ausblicke. Es berichtet von Menschen und Dingen. Es zeigt nicht die Geschichte Vorarlbergs, aber viele Geschichten Vorarlbergs …“. Besonders der letzte Satz zeigt auf, dass Vorarlberg nicht aus einer einzigen Geschichte besteht, sondern jede/r diese Geschichten prägt, verändert und erweitert.

Schwelle. Für Fatih Özcelik war es leicht, Wörter wie Migrant und Migration in den Mund zu nehmen, denn er selbst hat einen türkischen Migrationshintergrund. Er war ein wenig verärgert denn, „wir fahren hier [Österreichischer Museumstag 2016] zu sehr auf Kuschelkurs.“ Er nahm sich kein Blatt vor den Mund und missachtete die Political Correctness, was auch bei den Teilnehmer/innen sehr gut ankam. „Wir sind zu Gutmenschen mutiert, seit es die Flüchtlinge nach Österreich geschafft haben.“ Jemand, der ausspricht, was sich viele Teilnehmer/innen denken, sich aber nicht in der Position fühlen, so direkt sein zu dürfen.

Özcelik erzählt mit viel Begeisterung und Ehrlichkeit von den Problemen, mit denen er in seiner Museumstätigkeit konfrontiert war. Es sind nicht nur Flüchtlinge, die er gerne vermehrt im Museum sehen möchte, sondern auch Jugendliche, für die er einen Platz zum Verweilen schaffen möchte. Aber man muss sich auch eingestehen, dass nicht jede/r gerne ins Museum geht. Das liegt auch an der Schwelle, die zum Beispiel die Architektur des Museums mit sich bringen kann. Fatih Özcelik erzählt, dass er selbst nicht in diesen Kubus [das vorarlberg museum] hineingehen würde, wenn er dort nicht arbeiten würde. Er kann gut verstehen, dass das Gebäude abschreckend wirkt.

Ich versteh nur „Bahnhof“. Das vorarlberg museum bot im Rahmen des Veranstaltungsprogramms 2016 Lesungen in unterschiedlichen Sprachen an. „Dabei geht es um Wertschätzung“, so Özcelik. Es wurde Das kleine Ich-binich in den Sprachen Arabisch und Türkisch gelesen. Die Zielgruppe waren Familien mit Kindern von 5–7 Jahren. Die Veranstaltungseinladung wurde in Deutsch, Türkisch und Arabisch geschrieben, um so die Schwelle der Sprache möglichst auszublenden. „Warum soll man in Türkisch nicht maturieren können“, fragte Özcelik in die Runde, dessen Frage noch länger zum Nachdenken anregte.
Bei der Ausstellung ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren geht es um Emotionen und Empfindungen. Es geht beispielsweise bei den Personen nicht darum, dass sie Türken sind, sondern um das Thema „Pflege“. Das vorarlberg museum versucht die Vielfalt Vorarlbergs widerzuspiegeln, dabei aber keine Unterschiede zu machen und das Zulassen zu erlauben.

Carina Schöfl, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos (v.l.n.r.): Hanspeter Schiees (1), Petra Rainer (2, Vorschau), vorarlberg museum (3)

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