Erstellt am 6. Januar 2017

Schallaburg denkt Islam

Das Schloss Schallaburg liegt im südlichen Niederösterreich in der Gemeinde Schollach, südlich von Melk. Die Räumlichkeiten im Schloss fungieren schon seit langem als Fläche für Ausstellungen. 2017 wird die Ausstellung ISLAM geplant.
Ab 17. März 2017 wird diese Ausstellung, kuratiert von Lisa Noggler-Gürtler und Maria Prantl (Assistenz), zu besichtigen sein.

„Die Schallaburg versteht sich als Begegnungsort zu den spannenden Fragen der Gegenwart vor dem Hintergrund historischer, gesellschaftlicher Zusammenhänge. Wir stehen für einen lebendigen Austausch von Sichtweisen, den wir mit unseren Besuchern im Dialog teilen. Mit dem Thema Islam freuen wir uns auf diese gemeinschaftliche Herausforderung“, sagt Kurt Farasin, Künstlerische Leiter der Schallaburg.

Die Ausstellung legt ihren Fokus auf die Beziehung zwischen muslimisch und „westlich abendländisch“ geprägten Kulturen. Im Mittelpunkt steht das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Traditionen. In enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und aus muslimischen Communities werden die Themen der Ausstellung erarbeitet. Die Ausstellung ist dramaturgisch in „Begegnungsräumen“ eingeteilt in denen eine vertraute Situation geschaffen wird, in der die eigene und auch die fremde Kultur näher kennengelernt werden kann. Diese Räume laden zu einer vertieften interkulturellen Auseinandersetzung ein und sind in folgende Bereiche unterteilt:

Beseelt
Christen, Muslime und auch Agnostiker feiern ihre Feste. Was sie verbindet und unterscheidet, soll hier näher erläutert werden.

Bewohnt
In den alltäglichen Lebenssituation stoßen verschiedene Kulturen immer wieder aufeinander. Manches Mal fühlt sich die eine Kultur von der anderen eingeschränkt, hier ist Toleranz gefragt, was aber nicht immer so einfach ist. Hier wird die Frage gestellt, wie man mehrere Kulturen vereinen und diese Vielfalt nutzen kann.

Begrenzt
Okzident, Orient, wo beginnt was, wo endet was? Die Grenzen verschwimmen in der aktuellen politischen Situation immer mehr. Durch Flucht und Vertreibung werden auch die Barrieren in Europa immer mehr hochgezogen – manchmal auch nur in den Köpfen der Menschen.

Berufen
Bereits vor 50 Jahren wurden Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben. Heute noch ist es für Menschen, die bereits in der dritten Generation hier leben, oft schwierig die gleichen Chancen, wie nicht „Gastarbeiter“ zu haben. Diese Generation soll in diesem Raum ihren Platz finden.

Bedroht
Die Geschichte des bedrohten Europas liegt viele Jahrhunderte zurück. Doch ist gerade jetzt dieses Thema aktuell, wo sich der Westen von Muslimen und Multikulti bedroht fühlt. Diese Situation kann auch als Chance genutzt werden.

Bekannt
Wer kennt sie nicht – Kebab, Baklava, Humus? Essgewohnheiten, Filme und Literatur sind längst Teil des vielfältigen, westlichen Alltags geworden.

Besprochen
Gibt es die „eine“ muslimische Kultur oder „den“ Islam? Über kulturell geprägte Wörter muss gesprochen werden, denn die Sprache ist ein wichtiger Teil der Integration (siehe dazu auch die Vortragsreihe „Kultur im Dialog!“)

Bekleidet
Kleidungsstile werden in unterschiedlichen Kulturen anders wahrgenommen. So stehen Burka und bauchfreie Tops, wie auch Vollbart und Glattrasur miteinander in Kontrast. Muslimische Normen treffen hierbei auf westliche Orientierung.

Die Ausstellung beabsichtigt die Besucher/innen zum Denken anzuregen, über eigene (Fremd-)Bilder, Klischees, Urteile und Ängste. Es sollen sich Diskussionen bilden und ein Austausch über Themen entstehen.

Im Oktober 2016 startete die öffentliche Vortragsreihe zur ISLAM Ausstellung. Noch bis 10. März 2017 können Vorträge besucht werden. Der nächste wird am 20. Jänner 2017 um 19:00 stattfinden: „Kultur im Dialog! Dialog als Methode in der Kulturvermittlung und Erwachsenenbildung“ von Gundula Avenarius, Kultur im Dialog, Berlin.

Carina Schöfl, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos (v.l.n.r.): Martina Siebenhandl (1), tuffix (2, 3, Vorschau)

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