Erstellt am 15. Juli 2016

SchwarzÖsterreich

Seit April 2016 ist im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien die Ausstellung „Schwarz Österreich. Die Kinder Afroamerikanischer Besatzungssoldaten“ zu sehen.

Das Volkskundemuseum nähert sich mit dieser Ausstellung einer Generation an, der in Österreich bisher eher wenig Aufmerksamkeit entgegen gekommen ist. Es handelt sich dabei um die erste Generation Schwarzer Österreicher/innen in der Zweiten Republik. Genauer gesagt, sind damit jene Menschen gemeint, die in den Jahren 1946–1956 als Kinder von Schwarzen GIs und österreichischen Müttern geboren wurden. Laut den Historikern Niko Wahl und Philipp Rohrbach sollen in dieser Zeit etwa 350–500 Kinder zur Welt gekommen sein. Wahl und Rohrbach gaben mit ihren Nachforschungen zu Betroffenen den Anstoß zu dieser Ausstellung. Und diese Betroffenen haben sie auch gefunden. Für viele wurde ein Wunsch wahr: andere Kinder, denen es ähnlich ging, kennenzulernen. Die meisten wuchsen ohne ihre Väter auf, da diesen zumeist die Beziehung zu Österreicherinnen untersagt wurde und sie oftmals in andere Länder, wie etwa nach Korea, versetzt wurden. Doch ohne Vater aufzuwachsen war noch nicht genug. Die Kinder und ihre Mütter erfuhren nicht selten Alltagsrassismus, dessen Folgen noch heute tief in den Herzen der Betroffenen sitzen.

Die Ausstellung versucht nun genau diese Geschichten und Emotionen aufzuarbeiten. Das Datenmaterial, das die Historiker Wahl und Rohrbach sammelten, war nicht einfach aufzutreiben, da die Kinder nicht alle in Österreich lebten. Sie waren zum Teil in Österreich oder in den USA mit beiden Elternteilen, oder lebten allein mit der Mutter in Österreich. Auch wurden sie zur Adoption freigegeben oder lebten in einem der beiden Länder in Kinderheimen.

In den Ausstellungsräumen werden die Geschichten anhand von Objekten, Privatfotos, Videos und Hörstationen wiedergegeben. Manche der Interviews wurden nachgespielt, um die Anonymität der Betroffenen zu wahren. Das Thema ist nicht nur für die Menschen selbst emotional. Auch Besucher/innen bekommen einen sehr genauen Eindruck von den Erlebnissen, negativ als auch positiv. Denn die gibt es natürlich auch. Trotz aller Hindernisse strebten viele eine Akademische Karriere an, oder wurden Journalisten.

Die Forschungsarbeit von Niko Wahl und Philipp Rohrbach ist mit dieser Ausstellung noch nicht beendet. Sie ist lediglich ein Zwischenschritt des großangelegten Projekts „Lost in Administration“.

Bis zum 21. August kann man die Ausstellung, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr besuchen.

Carina Schöfl, Studierende an der FH Joanneum “Ausstellungsdesign”


Fotos (vlnr): Kinder afroamerikanischer GIs in St. Jakob, 1958 (Foto: Sammlung Lost in Administration), Freddie mit seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten, Paris, ca. 1953 (Foto: Sammlung Lost in Administration), Comic: GI Brides Comicbuch, Toronto, 1954 (Foto: Sammlung Lost in Administration, Wien)
Vorschau: Verena am Feuerkogel, Oberösterreich, 1957 (Foto: Sammlung Lost in Administration)

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